Boom & Bust: Der Arbeitsmarkt der Zukunft

kolumneBoom & Bust: Der Arbeitsmarkt der Zukunft

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Kolumne

Die Konjunkturzyklen werden kürzer, die Volatilität der Wirtschaft steigt. Dies verändert auch den Arbeitsmarkt – und beschleunigt den Trend zu atypischen Beschäftigungsformen.

Es gibt eine Langfristfolge der Finanzkrise, über die bislang zu wenig diskutiert wird: Viele Ökonomen sagen voraus, dass wir uns künftig auf ein weit schnelleres und hektischeres Auf und Ab der Wirtschaft einstellen müssen als in der Vergangenheit – gepaart mit einem spürbar sinkenden Potenzialwachstum. Die Dauer eines Aufschwungs werde sich halbieren, prognostizieren etwa die Analysten von Union Investment.

Das hat dramatischere Folgen, als viele glauben. Denn die höhere Volatilität der Konjunktur könnte nicht nur die Risikofreude und Investitionslust der Unternehmen bremsen, sondern auch die Personalpolitik in den Betrieben umkrempeln: Die Chance, einen festen Job mit geregelten Arbeitszeiten zu bekommen, wird künftig weiter sinken – selbst wenn die Wirtschaft brummt. Welcher Unternehmer stellt schon freudig neue Leute ein, wenn ständig hinter der nächsten Ecke der Abschwung lauert? Stattdessen dürfte das zunehmen, was Experten „atypische Beschäftigungsverhältnisse“ nennen: Teilzeitjobs, Mini-Jobs, befristete Beschäftigung, Zeitarbeit. Schon jetzt sind Beschäftigungsformen jenseits des Vollzeitjobs fester Bestandteil des Arbeitsmarkts. In der vergangenen Woche präsentierte das Statistische Bundesamt eine neue Erhebung. Danach ist der Anteil der „Normalarbeitsverhältnisse“ in Deutschland zwischen 1998 und 2008 von 72,6 auf 66 Prozent gefallen. Der Anteil „atypischer“ Jobs kletterte von 16,2 auf 22,2 Prozent.

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Segmentierung wird zum Problem

Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Eine höhere Flexibilität der Unternehmen bei Neueinstellungen macht die Jobs der Kernbelegschaft vielerorts sicherer. Teilzeitverträge können die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Und so mancher Langzeitarbeitslose hätte ohne den Umweg über die Zeitarbeit nie einen Job gefunden. Die vor einer neuen Blüte stehende Zeitarbeit zu verteufeln, wie es die IG Metall seit Monaten praktiziert, ist daher der falsche Weg.

Richtig ist aber auch: Die zunehmende Segmentierung wird ein ökonomisches Problem, wenn Vollzeitstellen massenweise in Mini- und Midi-Jobs aufgesplittet werden und Arbeitnehmer irgendwann drei oder vier Jobs annehmen müssen, um über die Runden zu kommen. Hierauf müssen Politik und Tarifpartner frühzeitig eine Antwort finden.

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