Boom & Bust: Der Geld-Helikopter rotiert immer schneller

kolumneBoom & Bust: Der Geld-Helikopter rotiert immer schneller

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne

Bei ihrem Kampf gegen eine drohende Depression und Deflation greift die US-Notenbank zu immer aggressiveren Mitteln – und droht dabei über das Ziel hinauszuschießen.

Wumms! Das hat gesessen. Mit ihrer Ankündigung in der vergangenen Woche, ihr Programm zum Aufkauf von Wertpapieren massiv auszuweiten und die amerikanische Wirtschaft mit noch mehr Zentralbankgeld zu überschwemmen, hat die US-Notenbank Fed die Finanzmärkte komplett überrascht. Der Plan, dabei erstmals auch langlaufende Staatsanleihen im Volumen von 300 Milliarden Dollar anzukaufen, hat eine wahre Rally am Bondmarkt ausgelöst und die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen binnen weniger Minuten von 3,0 auf rund 2,5 Prozent nach unten gedrückt. Noch vor wenigen Tagen hatten sich führende Notenbanker, unter ihnen Fed-Chef Ben Bernanke, gegen den Kauf von Staatspapieren ausgesprochen. Auch die avisierte Ausweitung des Ankaufs von hypothekenbesicherten Anleihen (MBS) um 750 Milliarden auf 1,25 Billionen Dollar und von Anleihen der Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac um 100 auf 200 Milliarden Dollar sorgte an den Märkten für ungläubiges Staunen. Zumal diese Programme bisher noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft sind. Nimmt man alles zusammen, pumpt die Fed in den nächsten Monaten 1,75 Billionen Dollar an zusätzlichem Zentralbankgeld in das Finanzsystem.

Riskante Medizin mit Nebenwirkungen

Die ungeheure Summe macht deutlich, wie groß die Panik der Notenbanker vor einem Abrutschen der amerikanischen Wirtschaft in die Depression und Deflation ist. Doch die Medizin, die Bernanke der größten Volkswirtschaft der Welt verabreicht, ist hochriskant und provoziert unerwünschte Nebenwirkungen. So drücken die Käufe von Staatsanleihen deren Rendite kräftig nach unten. Dadurch erscheinen plötzlich Investitionen rentabel, die es unter normalen Bedingungen nicht sind. Fehlallokationen sind die Folge. Noch problematischer ist, dass es den Währungshütern später schwerfallen dürfte, aus der Staatsanleihen-Nummer wieder rauszukommen. Sobald die Konjunktur wieder anzieht, muss die Notenbank die Liquidität nämlich absaugen – und dazu die Staatsanleihen wieder verkaufen. Das wird deren Kurse unter Druck setzen und die Zinsen nach oben treiben. Die Gefahr von Verwerfungen am Kapitalmarkt sowie massive politische Widerstände könnten die Fed von diesem Schritt abhalten. Die Folge: Es bliebe viel zu viel Liquidität in der Wirtschaft, die Inflation würde sich dramatisch beschleunigen – und der Aufschwung wäre wohl schnell wieder vorbei. Schließlich macht der Konsum in den USA rund zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus.

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Die Märkte scheinen die Gefahr zu riechen – und schickten den Dollar vergangene Woche auf Talfahrt.

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