Boom & Bust: Der Überzeugungstäter

kolumneBoom & Bust: Der Überzeugungstäter

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz

Kolumne von Elke Pickartz

Der Streit in der EZB-Spitze um ihre Krisenstrategie geht in die nächste Runde. Bundesbankchef Weber zeigt klare Kante - und macht sich damit unbeliebt.

Axel Weber hat eine neue Breitseite gegen EZB-Chef Jean-Claude Trichet gefeuert. Kaum drei Wochen nach seiner ersten Attacke gegen die Anleihekäufe der EZB legt er noch einmal nach. Er sehe die neuen Wege der Geldpolitik kritisch. Und: Die Käufe seien eng zu begrenzen. Für einen Notenbanker sind das harte Worte in schweren Zeiten. Noch nie war die EZB so stark unter Beschuss wie heute.

Ein sichtlich erschöpfter Trichet hastet derzeit von einem Interview zum nächsten, um die Notenbank zu verteidigen. Viele fragen sich daher, was Weber reitet. Schließlich soll er 2011 Trichet beerben. Doch da ist zum einen der interne Druck: In der Bundesbank gärt es. Viele sehen die Stabilitätskultur des Hauses von der EZB verraten. Umso mehr, als dass französische Banken am stärksten von der Hilfe profitieren.

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Webers Gradlinigkeit hat ihren Preis

„Wenn wir das vorher gewusst hätten, wären wir dem Euro nicht beigetreten“, sagt ein hochrangiger Bundesbanker. Doch entscheidend ist: Weber ist in dieser Frage ein Überzeugungstäter. Er hält die Anleihekäufe grundsätzlich für falsch, weil sie das Mandat der EZB verwässern und ihrer Reputation schaden. Das sagt er offen und ohne politische Rücksichtnahmen. Das ist anerkennenswert, denn es zeigt: Weber lässt sich nicht verbiegen.

Doch diese Geradlinigkeit hat ihren Preis. Weber trägt zum Reputationsverlust der EZB bei, den er doch verhindern will. Auch das Ziel der EZB, die Märkte zu stabilisieren, unterläuft er: Denn wer sich schon jetzt für eine Begrenzung der Bond-Käufe ausspricht, macht die Märkte nur nervöser. Weber verärgert zudem seine Kollegen im EZB-Rat. Niemand habe sich die Entscheidung für Anleihekäufe leicht gemacht, heißt es in der Zentralbank eines Nachbarlandes. Doch Weber meine nun, er könne den letzten Aufrechten spielen. Das vergifte die Stimmung im Rat und gefährde den Konsens.

Webers klare Kante ist teuer erkauft, dennoch verdient sie Respekt. Umso mehr, als sie sich als Stolperstein auf dem schon frei geräumten Weg an die EZB-Spitze erweisen könnte. Das größte Hindernis, das Weber auf diesem Weg noch zu fürchten hat, ist er selbst.

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