Boom & Bust: Die Folgen der US-Politik

kolumneBoom & Bust: Die Folgen der US-Politik

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne von Malte Fischer

Amerikas expansive Geld- und Finanzpolitik wird zu einem Risiko für die Weltwirtschaft. Von Malte Fischer

Im Januar vergangenen Jahres war US-Notenbankpräsident Ben Bernanke noch persönlich auf der Jahrestagung der American Economic Association (AEA), dem größten Ökonomentreffen der Welt, erschienen. Damals versuchte er, die versammelten Fachleuten davon zu überzeugen, dass die US-Notenbank Fed nicht schuld an der Finanzkrise sei. Dieses Jahr ließ sich Bernanke aus Termingründen entschuldigen. Er musste vor dem US-Senat zur Geldpolitik und zur Lage der US-Wirtschaft Stellung beziehen. Daher stellte sich seine Stellvertreterin Janet Yellen auf der AEA-Tagung in Denver der Kritik der Ökonomenzunft. Die hatte es in sich. Die Entscheidung der Fed, für weitere 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen zu kaufen und Zentralbankgeld in das Bankensystem zu pumpen, gehe zu weit, monierte Raghuram Rajan, Professor an der Uni Chicago und Ex- Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. Vernichtend fiel das Urteil von Ronald McKinnon aus, Währungsexperte an der Universität Stanford. Die Fed betreibe eine „egozentrische Geldpolitik“, urteilte McKinnon.

Die Kritik ist berechtigt. Denn die US-Wirtschaft hat die Rezession überwunden, der Aufschwung an Breite gewonnen. Experten rechnen für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu vier Prozent. Die Konjunktur ist daher nicht mehr auf die Nullzinsen und Liquiditätsspritzen der Fed angewiesen. Diese drohen prozyklisch zu wirken und neue Preisblasen an den Finanz- und Rohstoffmärkten zu erzeugen. Zwar bessert sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt nur langsam. 40 Prozent der Arbeitslosen sind seit mehr als sechs Monaten ohne Job und gelten damit als langzeitarbeitslos. Doch dagegen ist kein geldpolitisches Kraut gewachsen. Hier helfen nur strukturelle Maßnahmen wie Weiterbildung und Umschulung.

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Schuldenstand und Haushaltsdefizit in den USA

Schuldenstand und Haushaltsdefizit in den USA

Hinzu kommt, dass die expansive Geldpolitik der Fed enorme globale Kollateralschäden verursacht. Banken und andere Investoren legen das Geld, das sie sich via Nullzinskredit in den USA besorgen, in höherverzinslichen Anlagen in Schwellenländern an. Deren Währungen haben sich in der Folge drastisch aufgewertet. So verteuerten sich der brasilianischen Real und der chilenische Peso seit Anfang 2009 in der Spitze um bis zu 40 beziehungsweise 35 Prozent (siehe Grafik).

Um das hereinströmende Spekulationsgeld abzuwehren und ihre Exporte zu schützen, greifen immer mehr Schwellenländer zu protektionistischen Maßnahmen. Das Spektrum reicht von Devisenmarktinterventionen über Sondersteuern für Auslandsanleger bis hin zu stabilitätspolitisch kontraproduktiven Zinssenkungen. So schadet die fehlgeleitete Geldpolitik der Fed nicht nur den USA – sie ist auch zu einer Gefahr für die Weltwirtschaft und die globale Preisstabilität geworden.

Schulden steigen

Wechselkurse gegenüber US-Dollar

Wechselkurse gegenüber US-Dollar

Kaum besser fällt das Urteil über die Finanzpolitik der Regierung von Präsident Barack Obama aus. Der Kompromiss mit dem republikanisch dominierten Abgeordnetenhaus des Kongresses, der die Verlängerung der Steuersenkungen der Bush-Administration, eine temporäre Absenkung der Sozialabgaben für die Arbeitnehmer sowie eine längere Bezugsdauer von Arbeitslosengeld zum Inhalt hat, wird das Haushaltsdefizit in den nächsten fünf Jahren um insgesamt rund 900 Milliarden Dollar erhöhen. Das sind rund sechs Prozent des BIPs.

Die von Obama eingesetzte Kommission zum Schuldenabbau hatte Anfang November erklärt, die Probleme seien nur in den Griff zu bekommen, wenn der Staat seine Ausgaben senke und seine Einnahmen erhöhe. Doch die Regierung macht das Gegenteil.

Welche Folgen das hat, zeigt eine Studie des Haushaltsbüros des Kongresses. Danach wird die Schuldenquote bis 2025 um 40 Prozentpunkte höher ausfallen, wenn die nötige Konsolidierung erst 2025 statt 2015 einsetzt. Weil der Staat mit seinem Kapitalbedarf einen großen Teil der privaten Ersparnisse absorbiert, steht weniger Geld für private Investitionen zur Verfügung. Der Kapitalstock fällt so um bis zu 18 Prozent niedriger aus als bei rechtzeitiger Haushaltskonsolidierung. Insgesamt kostet der finanzpolitische Schlendrian die USA bis 2025 rund sieben Prozent ihres Wohlstands.

Doch so lange muss es gar nicht mehr dauern, bis die USA die Folgen ihrer laschen Wirtschaftspolitik zu spüren bekommen. Schaffen es die Europäer, die Euro-Krise einzudämmen, dürften sich die Finanzmärkte den Problemen jenseits des Atlantiks zuwenden. Eine massive Talfahrt des Dollar, mehr Inflation, höhere Zinsen und weniger Wachstum könnten die Folgen für Amerika sein.

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