Boom & Bust: Die Geografie des Aufschwungs

kolumneBoom & Bust: Die Geografie des Aufschwungs

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne

Die weltweite Rezession schwächt sich ab. Doch im nächsten Aufschwung werden anders als früher nicht die USA, sondern die Länder Asiens den Takt vorgeben.

Es ist immer das Gleiche. Die Wachstumsprognosen der amtlichen Auguren fallen just dann besonders trüb aus, wenn sich am Horizont bereits der nächste Aufschwung ankündigt. In der vergangenen Woche korrigierte die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose auf minus sechs Prozent nach unten und folgte damit den Wirtschaftsforschungsinstituten.

Doch während Regierung und Wissenschaft schlimmste Molltöne anstimmen, drehen weltweit viele Stimmungsbarometer nach oben. An den Märkten keimt die Hoffnung, dass die USA als größte Volkswirtschaft der Welt einmal mehr die Rolle der Konjunkturlokomotive übernimmt – und den Rest der Welt aus der Rezession zieht.

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Initialzündung kommt aus Asien

Doch diesmal könnte es anders kommen. Das US-Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal stärker als erwartet um annualisiert 6,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft. Zwar legte der Konsum, wichtigste Stütze der US-Wirtschaft, um 2,2 Prozent zu. Doch das war vor allem Sonderfaktoren wie gesunkenen Energiepreisen, steigenden Beamtengehältern und staatlichen Transfers zu verdanken. Eine Rückkehr zu kräftigen Wachstumsraten wie in früheren Jahren ist nicht zu erwarten. Die massiven Vermögensverluste (die Amerikaner haben durch die Talfahrt der Häuserpreise und Aktien 2008 13 Billionen Dollar verloren), die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt, der Druck auf die Löhne und der erschwerte Zugang zu Krediten setzen dem Konsum Grenzen.

Die Initialzündung für den globalen Aufschwung wird daher aus Asien kommen müssen. Vor allem China scheint es zu schaffen, seine Konjunktur mit massiven finanz- und geldpolitischen Stimuli wieder unter Dampf zu setzen. So haben die Banken auf Geheiß der Regierung ihre Kreditvergabe seit Herbst 2008 kräftig ausgeweitet, um das staatliche Infrastrukturprogramm von umgerechnet 500 Milliarden Dollar zu finanzieren. Die Wachstumsdynamik hat sich daraufhin im ersten Quartal wieder beschleunigt. Als zweites Land hinter China könnte sich Indien in den globalen Konjunkturzug einreihen. Ökonomen sehen in der vergleichsweise geringen Exportabhängigkeit das größte Plus des Landes.

Ungünstiger sieht es für die Länder Ostasiens aus. Mit Exportquoten zwischen 50 und 100 Prozent des BIPs sind sie auf Impulse von außen angewiesen. Das gilt auch für Osteuropa, dessen Wirtschaft wohl erst wieder brummt, wenn es den Fabriken Westeuropas besser geht. Am Ende des Zugs stehen die Rohstoffländer Lateinamerikas, des Mittleren Ostens und Afrikas. Ihr Wohl und Wehe hängt davon ab, dass die Fabriken von Pittsburgh bis Shanghai ihre Produktion steigern – und so die Rohstoffpreise wieder steigen lassen.

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