Boom & Bust: Die große Illusion vom US-Wachstum

Boom & Bust: Die große Illusion vom US-Wachstum

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BIP und Einkaufsmanagerindex

von Malte Fischer

Dem Aufschwung in den USA geht die Puste aus. Zusätzliche Konjunkturprogramme und noch mehr Zentralbankgeld werden der Wirtschaft aber nicht auf die Beine helfen.

US-Präsident Barack Obama ist nicht zu beneiden. Wenige Wochen vor den Zwischenwahlen zum Kongress befindet sich seine Demokratische Partei im Umfragetief. Grund dafür ist die schlechte Wirtschaftslage. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt, auf das Jahr hochgerechnet, nur um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Die Beschäftigung wächst kaum, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Obama will der Wirtschaft daher mit zusätzlichen Konjunkturprogrammen unter die Arme greifen. Die US-Notenbank Fed hat darüber hinaus angedeutet, weitere Staatsanleihen anzukaufen und dem Finanzsektor neues Zentralbankgeld zur Verfügung zu stellen, falls die Wirtschaft nicht auf die Füße kommt.

Ob es Regierung und Notenbank gelingt, auf diese Weise mehr Wachstum aus der Wirtschaft herauszukitzeln, ist fraglich. Denn die USA leiden unter den Spätfolgen von Kredit- und Konsumexzessen, die die Bürger zwingen, den Gürtel enger zu schnallen. Staatliche Konjunkturprogramme und milliardenschwere Geldspritzen mögen nach dem Lehman-Schock die Ultima Ratio gewesen sein, um einen Absturz in die Depression zu verhindern. Als Vitaminstoß für eine blutarme Wirtschaft sind sie jedoch ungeeignet. Amerika wird nicht umhinkommen, seine Schulden abzutragen.

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Sparen statt shoppen

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Bild: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Anders als die Regierung scheinen die Bürger das erkannt zu haben. Statt auf Pump zu shoppen, stecken sie größere Teile ihrer Einkommen in den Schuldendienst. Das wird den privaten Konsum, Motor der US-Wirtschaft, auf Sicht der nächsten Jahre bremsen. Dazu kommt, dass durch das Platzen der Kredit- und Immobilienblase künstlich aufgeblähte Sektoren wie die Bau- und Finanzwirtschaft im Zeitraffertempo geschrumpft sind, ohne dass an anderer Stelle in gleichem Maße und Tempo neue Produktionsstrukturen entstanden sind.

Das Wachstumspotenzial der USA dürfte daher auf Sicht der nächsten Jahre eher bei zwei als bei drei bis vier Prozent liegen. Regierung und Notenbank scheinen das nicht wahrhaben zu wollen. Ihr Versuch, auf Biegen und Brechen Wachstumsraten von mehr als drei Prozent aus der Wirtschaft herauszuquetschen, beruht auf einer großen Illusion. Diese droht mittelfristig in staatliche Überschuldung und Inflation zu münden.

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