Boom & Bust: Die libysche Lücke

kolumneBoom & Bust: Die libysche Lücke

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Kolumne von Bert Losse

Der Krieg in Libyen beeindruckt die Ölmärkte bislang weniger als erwartet. Das aber kann sich schnell ändern.

Seit Monaten kennen die Öl- und Spritpreise nur eine Richtung – nach oben. Viele Analysten befürchten daher, die Unruhen in Libyen und die westliche Militäraktion im Gaddafi-Reich könnten dem Ölpreis einen weiteren Schub verpassen.

Bislang aber sind die Marktreaktionen überschaubar. Seit die ersten Bomben auf libysche Stellungen fielen, hat sich der Ölpreis nur um etwa 0,9 Prozent erhöht.

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Der Grund: Bislang gibt es noch kein echtes Angebotsproblem. Zwar ist der Ölexport aus Libyen angesichts beschädigter Pipelines und Verladestationen nahezu zum Erliegen gekommen (was die vom deutschen Außenminister vorgetragene Forderung nach einem Ölembargo arg populistisch erscheinen lässt). Doch Saudi-Arabien und die Emirate am Golf füllen derzeit die libysche Lücke von täglich über einer Million Barrel, indem sie ihre eigene Produktion ausweiten. Zudem sind die strategischen Öllager der Industriestaaten gut gefüllt. Gleichzeitig gibt es trotz gut laufender Weltkonjunktur keinen übermäßigen Aufwärtsdruck von der Nachfrageseite – vor allem, weil die Märkte nach der Natur- und Atomkatastrophe in Japan mit einem vorerst niedrigeren Ölbedarf der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt rechnen.

Angebot reicht noch

„Die Unruhen in Libyen sind mittlerweile komplett eingepreist“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Er sieht den Ölpreis in den kommenden Monaten zwischen 110 und 120 Dollar je Barrel, danach könnte es bis zum Jahresende auf 90 Dollar heruntergehen. Das klingt fast nach „business as usual“.

Doch die weltpolitische Lage ist explosiv und unberechenbar, das ökonomische Risiko nach oben schießender Ölpreise weiterhin hoch. Die freien Reserven, ein zentraler Bestimmungsfaktor des mittelfristigen Ölpreises, sind wegen der Libyenkrise von rund 4,5 Millionen Barrel pro Tag auf rund drei Millionen Barrel gesunken. Das heißt: Es darf nun nicht mehr viel an Förderausfällen dazukommen. Doch leider liegt ein Großteil der Ölvorräte in unsicherem Boden, beherrscht von instabilen Regimen und Despoten. Derzeit etwa ersetzen viele Raffinerien das wegen seines geringen Schwefelanteils geschätzte libysche Öl durch Lieferungen aus – Nigeria.

Risiko Saudi-Arabien

Demokratische Staaten haben einen Anteil an der globalen Ölförderung von gerade mal 36 Prozent. Dieser Wert wird sich in Zukunft weiter verringern, erwarten Experten; über 60 Prozent der bekannten Ölreserven befinden sich im Mittleren Osten und in Nordafrika. Dreh- und Angelpunkt für die Zukunft der globalen Ölversorgung ist Saudi-Arabien, das derzeit fast neun Millionen Barrel täglich produziert.

Wenn im größten Förderland der Welt das Chaos ausbricht, sei „beim Ölpreis alles möglich“, heißt es in Analystenkreisen. Die Notierungen könnten dann locker auf 150 Dollar und mehr hochschießen – mit allen negativen Folgen für die Weltkonjunktur.

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