Boom & Bust: Die Schuld der Exportmacht

kolumneBoom & Bust: Die Schuld der Exportmacht

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Grafik: Deutsche Ausfuhren und Exportklima

Kolumne von Mark Fehr

Deutschland soll auf Export verzichten, damit wirtschaftlich schwache EU-Staaten profitieren. Diese absurde Forderung würde Europas Krise nur noch schlimmer machen, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Fehr.

Im Januar haben deutsche Exporteure einen Dämpfer kassiert: Die Ausfuhren sanken, verglichen mit Dezember 2009, um 6,3 Prozent; gegenüber dem Vorjahr gab es ein leichtes Plus. Da die Konsumenten schwächeln, kann die Wirtschaft eine wachsende internationale Nachfrage gut gebrauchen. Die deutsche Ausfuhr hat zudem gute Chancen, sich vom starken Rückschlag während der globalen Rezession zu erholen, wie das vom ifo Institut monatlich exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellte Exportklima zuletzt signalisierte.

Deutschlands internationaler Wettbewerbsvorteil schürt jedoch Neid. Der Vorwurf: Hohe Außenhandelsüberschüsse verschärfen das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen den europäischen Staaten. Deutschland wird zum Sündenbock der Schieflage notorischer Problemländer wie Griechenland.

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Internationale Kritik

Druck macht etwa die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Deutschen sollen Konsum und Import fördern – zulasten des Exports, so die OECD. Die angeblich durch deutsche Exportstärke verursachten Spannungen werden dabei sogar verglichen mit dem US-Handelsdefizit, das die Chinesen per Währungsdumping aufblähen. Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker empfiehlt zur Steigerung der Binnennachfrage Lohnerhöhungen im deutschen öffentlichen Dienst. Das belebt ein gängiges Feindbild: Deutschland verdanke den internationalen Erfolg -allein der Lohndisziplin der Tarifparteien – und schädige damit seine europäischen -Partner.

Doch gerade die wirtschaftlich hinterherhinkenden PIGS-Staaten – Portugal, Italien, Griechenland und Spanien – hätten am wenigsten davon, wenn Deutschland sich von den Weltmärkten zurückzieht und an Wirtschaftskraft einbüßt. Es bringt nichts, den Starken zu schwächen. Wenn überhaupt, können nur finanziell solide und international wettbewerbsfähige Mitgliedstaaten Europa aus der Schuldenkrise führen. Die Schwäche einiger Euro-Länder liegt nicht an der Stärke der anderen. Wer im Wettbewerb zurückfällt, sollte also keine Gleichmacherei fordern, -sondern seine Kraft in den Ausbau eigener Fähigkeiten stecken.

Darauf darf sich auch die deutsche Industrie getrost weiter konzentrieren.

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