Boom & Bust: Die wahre Bewährungsprobe steht noch aus

KommentarBoom & Bust: Die wahre Bewährungsprobe steht noch aus

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

von Bert Losse

Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, doch die guten Konjunkturdaten in Deutschland schaffen eine trügerische Sicherheit. Denn die wahre Bewährungsprobe für den Aufschwung kommt erst 2011. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse.

Vor gar nicht allzu langer Zeit mochte man gar nicht mehr hinsehen, wenn amtliche Statistiker neue Konjunkturdaten präsentierten. Eine Horrorzahl jagte die nächste, vorne stand stets ein fettes Minus. Mittlerweile aber hat sich das Bild gedreht. Die Wirtschaft wächst wieder, im dritten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent. Die Auftragseingänge legen von Monat zu Monat zu zu. Die Industrieproduktion ist im September um 3,2 Prozent gestiegen, die Exporte sind um 18 Prozent gegenüber dem Vormonat nach oben geschossen. Deutschland kann 2010 zusammen mit Frankreich die Wachstumslokomotive Europas werden – glaubt die EU-Kommission. Allein die zum Jahreswechsel in Kraft tretenden Steuererleichterungen von rund 21 Milliarden Euro drücken das Wachstum um einen halben Punkt nach oben – schätzt die Deutsche Bank. Rezession? War das was?

 Ja. Da war was. Und wir sind noch lange nicht über den Berg. Die Wirtschaft gleicht derzeit einem Kranken, den man mit Schmerzmitteln vollpumpt und hofft, dass er nebenbei auch noch gesund wird. Der aktuelle Aufschwung ist überwiegend artifiziell, angefacht von expansiver Geldpolitik und milliardenschweren Konjunkturprogrammen. Die Autoindustrie etwa wurde erst mit der Abwrackprämie gepäppelt und profitiert nun davon, dass auch andere Staaten den Autokauf subventionieren. Und dass sich die Auftragsbücher der Industrie wieder füllen, liegt auch am normalen Lagerhaltungszyklus. Viele Unternehmen haben in der Krise ihre Lager geleert und müssen diese jetzt auffüllen. Das ist eine technisch-logistische Entscheidung – und kein Vertrauensvotum für die Weltkonjunktur.

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Um die Wurst

2010 mag ein gutes Jahr werden, der Sachverständigenrat etwa prognostiziert ein Wachstum von immerhin 1,6 Prozent - und damit deutlich mehr als Bundesregierung, die von 1,2 Prozent ausgeht. Doch einen nachhaltigen, sich selbst verstärkenden Aufschwung dürften wir trotzdem kaum erleben.

Denn um die Wurst geht es erst 2011, wenn die fiskalischen und monetären Impulse auslaufen. Dass die Regierung dann tatsächlich wie angekündigt massiv die Steuern senkt, ist zu bezweifeln. Vielmehr müssen weltweit die grotesk überschuldeten Staaten ihre Ausgaben zurückführen und die Zentralbanken die Inflationsgefahr mit höheren Zinsen bekämpfen. Wenn sich dann die Konsumenten verweigern (weil Jobrisiken und Sozialabgaben steigen) und die Unternehmen nicht investieren wollen (weil ihnen die Lage zu unsicher ist) oder können (weil sie von den Banken keine Kredite bekommen), steht der nächste Abschwung schon vor der Tür.

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