Boom & Bust: Explosiver Mix aus Boom und Schuldenkrise

kolumneBoom & Bust: Explosiver Mix aus Boom und Schuldenkrise

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WirtschaftsWoche-Redakteur Konrad Handschuch

Kolumne von Konrad Handschuch

Die Realwirtschaft brummt, die Finanzwelt zittert. Was ist jetzt anders als im Jahr 2008, im Hoch der Finanzkrise? Von WirtschaftsWoche-Redakteur Konrad Handschuch.

In was für einer verrückten Welt leben wir nur! Da steigt die Beschäftigung in Deutschland auf ein neues Rekordhoch. Der Export brummt. Die Binnennachfrage blüht auf. Der Dax befindet sich ohnehin auf Höhenflug. Und dann das: In ganz Europa fürchten Banken ums Überleben. Die zur Rettung angetretenen Staaten nähern sich dabei selbst dem Bankrott. Und während die Europäische Zentralbank als Retter in höchster Not den Ankauf von Staatsanleihen unverändert fortsetzt, basteln die Euro-Staaten in großer Hektik an immer neuen und immer größeren Rettungspaketen.

Brandmauer trennt

Die explosive Mischung erinnert an 2008. Auch damals brummte weltweit die Realwirtschaft, nur ein paar Banken gerieten infolge der US-Subprime-Krise an den Rand des Abgrunds. Monatelang wurde darüber diskutiert, ob die Finanzkrise am Ende auch die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Selbst namhafte Ökonomen hielten ein solches Szenario nicht für möglich. Eine Brandmauer, so hieß es, trenne die Realwirtschaft von der Finanzindustrie. Zu stark sei der Aufschwung der Weltwirtschaft, als dass die Schieflage einiger Banken ihren Sturm und Drang stoppen könne.

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Was dann folgte, ist bekannt. Und umso mehr zuckt man zusammen, wenn jetzt schon wieder davon die Rede ist, die von der Euro-Schuldenkrise ausgehende Ansteckungsgefahr für die Realwirtschaft sei gering.

Noch breitet sich die Schuldenkrise aus. Nach Griechenland, Irland, Portugal und Spanien werden die Finanzmärkte jetzt auch schon bei Ländern wie Italien und Belgien nervös. Die Krise nähert sich also den Kernländern der Euro-Zone. Und was ist mit den USA?

Bislang ist den Strategen beidseits des Atlantiks nicht viel mehr eingefallen, als die Notenpressen anzuwerfen. Und die Europäer schwatzen längst überschuldeten Staaten neue Milliardenkredite auf. Das kommt einem vor, als rücke die Feuerwehr mit Brandbeschleunigern zum Löschen aus. Den drohenden Flächenbrand werden die Staatenretter so nicht begrenzen können. Dazu müssten sie zuerst das brennbare Material verringern und für Abkühlung sorgen. Das heißt: Statt auf Teufel komm raus zu sparen, sollten die Schuldenstaaten durch Strukturreformen für mehr Wachstum sorgen. Und sie müssen vor allem schleunigst teilentschuldet werden. Nur so kommen sie wieder in die Lage, ihre Zinsen bedienen zu können. Und den Banken muss durch ein Menü tragbarer Optionen ein Zins- oder Forderungsverzicht ermöglicht werden, der nicht zu einem Totalausfall à la Lehman Brothers führt – mit all seinen katastrophalen Folgen.

Die Märkte trauen der Politik ohnehin nichts mehr zu und haben einen Verzicht längst einkalkuliert. Nur so erklärt sich, dass die Risikoaufschläge für Kredite an die Krisenländer – trotz des Vollkasko-Brandschutzes auf Kosten der Steuerzahler – auf ihrem bedrohlich hohen Niveau verharren.

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