Boom & Bust: EZB am Scheideweg

kolumneBoom & Bust: EZB am Scheideweg

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz

Kolumne von Elke Pickartz

Die Griechenland-Krise treibt die Europäische Zentralbank in die Enge und schadet ihrer Reputation. Helfen können nur eine klare Kommunikation - und glaubwürdige Entscheidungen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht am Scheideweg. Daran können auch die beschwichtigenden Worte von Zentralbankpräsident Jean-Claude Trichet nichts ändern, die er am Donnerstag nach der EZB-Ratssitzung in Lissabon fand. Man sei Griechenland bei den Sicherheiten für die Zentralbankfinanzierung entgegengekommen, weil das Land ein handfestes Sparprogramm vorgelegt habe, sagte er. Und er lobte die „bemerkenswerte Flexibilität“ und Schnelligkeit, mit der der EZB-Rat so entschieden habe.

Doch solche Sprüche können nicht überzeugen, sondern schüren nur neue Zweifel: Das Sparprogramm der Griechen steht derzeit nur auf dem Papier und kann jederzeit scheitern. Wie also kann die EZB darauf setzen? Zudem hat Trichet nicht plausibel erklärt, warum die Zentralbank nun anders agiert, als sie es seit Monaten verkündet. Noch im April hatte der Franzose betont, die EZB werde ihre Sicherheitsregeln nicht für ein einzelnes Land ändern. Das sei „glasklar“. Nun hat sie genauso glasklar mit diesem Prinzip gebrochen und drückt sich um eine vernünftige Erklärung herum.

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Vertrauen schwindet

Flexibel handeln in Krisenzeiten ist das eine – und bisweilen nicht zu vermeiden. Doch dann sollte man auch offen zugeben (und begründen), dass die eigenen Grundsätze plötzlich nicht mehr gelten. Der Preis, den die EZB für ihre „Flexibilität“ zahlt, ist hoch: Sie beschädigt massiv ihre Glaubwürdigkeit, indem sie ihren Worten andere Taten folgen lässt und vage bleibt, wo es darum ginge, Widersprüche aufzudecken. Damit setzt sie das Vertrauen bei Wirtschaft, Konsumenten und Finanzmärkten aufs Spiel. Nach aktuellen Umfragen des Instituts für Demoskopie Allensbach haben nur noch 31 Prozent der Bundesbürger „großes Vertrauen“ in die Währungshüter.

Trichet hat in den letzten Jahren mit der Sachlichkeit und Verlässlichkeit seiner Aussagen maßgeblich dazu beigetragen, dieses Vertrauen aufzubauen. Nun sollte er schnellstens auf diesen Pfad zurückfinden: durch eine klare Kommunikation, eine Übereinstimmung von Wort und Tat und die Verteidigung der eigenen Prinzipien. Dazu hätte am Donnerstag ein klares Nein zu den Marktspekulationen gehört, die Währungshüter erwägten, jetzt auch noch griechische Staatsanleihen zu kaufen. Stattdessen ließ Trichet alles offen; dies sei im Rat kein Thema gewesen.

„Eine Zentralbank sollte tun, was sie sagt, und sagen, was sie tut“, heißt es in einem EZB-Aufsatz aus dem Jahr 2001. Ansonsten sei die stabile Erwartung über die Inflation und damit die Preisstabilität selbst in Gefahr. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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