Boom & Bust: Finanzkrise: Warum Amerika besser fährt

Boom & Bust: Finanzkrise: Warum Amerika besser fährt

Bild vergrößern

Fit für den Aufschwung?

von Malte Fischer

Während die Unternehmen in Deutschland auf Kurzarbeit setzen und Arbeitskräfte horten, streichen die Betriebe in den USA radikal Stellen. Warum Amerika damit langfristig besser fährt, erklärt WirschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer.

Wenn es darum geht, das Wirtschaftsmodell der USA zu kritisieren, sind Deutschlands Politiker vorne mit dabei. Von Cowboy-Kapitalismus und sozialer Kälte ist dann gern die Rede. Jetzt glauben sie, einen Beweis für die Überlegenheit des deutschen Modells der staatlich gezähmten Marktkräfte gefunden zu haben.

Keinem Land der Welt, so tönen sie stolz, sei es besser gelungen, seine Arbeitskräfte vor den Folgen der Wirtschaftskrise zu schützen als Deutschland. Während in den USA Massenentlassungen an der Tagesordnung sind, setzen Deutschlands Unternehmen – abgefedert durch staatliche Subventionen – auf Kurzarbeit.

Anzeige

Auf den ersten Blick scheint diese Strategie tatsächlich aufzugehen. Seit der Lehman-Pleite im vergangenen Herbst ist die Zahl der Arbeitslosen hierzulande um rund 240 000 gestiegen, ein Plus von gerade mal sieben Prozent. In den USA dagegen haben in dieser Zeit knapp 5,9 Millionen Menschen ihren Job verloren, die Zahl der Arbeitslosen hat sich um 53 Prozent auf 15,7 Millionen erhöht.

Doch das Horten von Arbeitskräften hat seinen Preis. Weil die Stundenlöhne in Deutschland gestiegen sind, während die Produktion wie ein Stein zu Boden fiel, sind die Lohnstückkosten explodiert. Im ersten Quartal dieses Jahres schossen sie um annualisiert  17 Prozent in die Höhe.

Kein Unternehmen kann einen solchen Kostenschub durch höhere Absatzpreise auffangen, zumal der starke Euro beim Export eher zu Preisnachlässen zwingt. Die Folge sind sinkende Gewinne – oder steigende Verluste. Hinzu kommt, dass die Kurzarbeit die Bereitschaft der Arbeitnehmer schmälert, sich einen neuen Job zu suchen. Das bremst den Strukturwandel und verringert den langfristigen Wachstumstrend.

Im Gegensatz dazu haben die US-Unternehmen ihre Produktivität durch Entlassungen gesteigert und so die Lohnstückkosten gesenkt (siehe Grafik). Das gibt ihnen den Spielraum, um im Aufschwung mit aggressiven Preissenkungen Marktanteile zu erobern. Die Arbeitnehmer müssen sich neue, zukunftsträchtigere Jobs suchen. Das mag für sie auf kurze Sicht mit größeren Härten verbunden sein als bei den deutschen Kollegen. Doch der Vorteil des US-Modells besteht darin, dass es den Strukturwandel beschleunigt – und so die Basis für ein langfristig höheres Wachstum legt.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%