kolumneBoom & Bust: Gefühlt ärmer

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne von Malte Fischer

Die Rückkehr der Inflation könnte sich als gefährliche Bremse für die deutsche Konjunktur erweisen.

Ob bei Banken, Instituten oder der Regierung – überall sahen sich die Konjunkturexperten in den vergangenen Wochen veranlasst, ihre Prognosen für das Wachstum der deutschen Wirtschaft kräftig nach oben zu korrigieren. Um bis zu drei Prozent werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr zulegen, lautet die frohe Botschaft. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, die Maschinen laufen auf Hochtouren, und die Personalchefs stellen neue Mitarbeiter ein. Damit das so weitergeht, muss aber der private Konsum, auf den 58 Prozent des BIPs entfallen, in Schwung kommen. Denn die Impulse aus dem Ausland, die die Konjunktur bisher getrieben haben, dürften bald schwächer werden.

Auf den ersten Blick scheinen die Voraussetzungen für die Staffelübergabe vom Export zum Konsum gut. Steigende Beschäftigung und höhere Löhne spülen den Bürgern mehr Geld in die Kasse. Der GfK-Konsumklimaindex für Februar ist gestiegen. Einige Experten gehen schon von einem Konsumplus von zwei Prozent für 2011 aus. Doch Vorsicht! Die Rückkehr der Inflation könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen. Im Januar kletterte die Teuerungsrate für die Lebenshaltung im Vorjahresvergleich auf 1,9 Prozent. Treiber waren erneut die Preise für Energie und Nahrungsmittel.

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Konsumklima und Verbraucherpreise in Deutschland

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In den nächsten Monaten dürften sie die Inflationsrate deutlich über die Marke von zwei Prozent drücken. Das mag bei einem erwarteten Lohnplus zwischen zwei und drei Prozent tragbar erscheinen. Das Problem ist nur: Die von den Bürgern wahrgenommene Inflation liegt deutlich höher als die offiziell gemessene Rate. Berechnungen des Ökonomen Wolfgang Brachinger von der Uni Fribourg zeigen, dass die gefühlte Inflation derzeit mehr als fünf Prozent beträgt.

Der Grund: Die Bürger empfinden den Preisschub bei Produkten, die sie häufig kaufen, etwa Lebensmittel und Benzin, besonders deutlich. Brachinger zufolge richten sie ihre Kaufentscheidungen daher nicht an der offiziellen, sondern an der gefühlten Inflation aus. Verringern sich die gefühlten Realeinkommen weiter, wie sich das derzeit abzeichnet, könnte das also bald auf die Konsumlaune durchschlagen. Erste Alarmzeichen gibt es bereits. Die Teilkomponente des Konsumklimaindex für die Einkommenserwartungen ging im Januar zum zweiten Mal in Folge zurück.

Setzt sich dieser Trend fort und fühlen sich die Menschen real ärmer, müssen die Konjunktur-Auguren ihre Hoffnungen auf einen Konsumboom und auf Wachstumsraten von drei Prozent wohl beerdigen.

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