kolumneBoom & Bust: Grauer Jobmarkt

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Grafik: Beschäftigung älterer Arbeitnehmer

Kolumne von Mark Fehr

Die Chancen stehen gut, dass auch ältere Arbeitnehmer die Fachkräftelücke füllen.

Wenn Experten streiten, winkt das Publikum normalerweise gelangweilt ab. Aber nicht dieses Mal. Vergangene Woche löste eine provokante These des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erheblichen Wirbel aus. Sie lautete: Der Mangel an Fachkräften sei eine „Fata Morgana“. Konkurrierende Arbeitsmarktforscher konterten prompt, und Wirtschaftsverbände hielten mit Umfragen dagegen. Klafft die Fachkräftelücke nun oder klafft sie nicht?

Das DIW jedenfalls hat seine Behauptung mittlerweile deutlich entschärft. Mittelfristig werde der Mangel an Arbeitskräften zum bestimmenden Thema der Wirtschaftspolitik, stellte Institutspräsident Klaus Zimmermann klar. Ökonomen und Politiker sollten sich also weiter der Frage widmen, wie die Lücke zu füllen ist – und mit wem. Denn der Jubel über das deutsche Jobwunder ist längst der Erkenntnis gewichen, dass am Arbeitsmarkt ein neuer Engpass entstanden ist.

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Ältere Arbeitskräfte nutzen

Selbst wenn die Arbeitslosenquote auf fünf Prozent zurückgeht und deutlich mehr Frauen ins Erwerbsleben eintreten, droht Deutschland bis 2035 ein Mini-Wachstum von durchschnittlich einem Prozent pro Jahr. Davor warnte das Forschungsinstitut Prognos kürzlich. Diesem Schicksal dürfen wir uns nicht ergeben. Deshalb ist es richtig, Einwanderer schneller in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. Darüber hinaus müssen Unternehmen das oft vernachlässigte Potenzial älterer Arbeitskräfte besser nutzen. Ohnehin wird der Ruhestand für Jahrgänge ab 1964 erst im Alter von 67 beginnen.

Dagegen protestieren die Gewerkschaften. Ihr Argument: Arbeitgeber mustern ältere Beschäftigte aus und bieten ihnen nur selten neue Jobs an. Die verlängerte Regelarbeitszeit sei deshalb eine Rentenkürzung. Tatsächlich haben es Menschen jenseits der Fünfzig oft schwer auf dem Arbeitsmarkt. Die aktuelle Entwicklung spricht aber dafür, dass sich dieses Paradigma ändert. Noch ist die Beschäftigungsquote von Arbeitskräften im letzten Berufsjahrzehnt deutlich niedriger als bei jungen Kollegen.

Doch die älteren Semester holen auf. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen ist in den zurückliegenden zehn Jahren von unter 40 Prozent auf knapp 60 Prozent gestiegen. Das sei Jobförderprogrammen zu verdanken, halten Kritiker dagegen. Damit haben sie aber nur zum Teil recht, denn der Aufwärtstrend am „grauen“ Arbeitsmarkt erfasst auch die sozialversicherungspflichtigen älteren Arbeitnehmer. Ihre Quote hat von 2001 bis 2009 um fast zwölf Prozentpunkte zugelegt.

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