Boom & Bust: Hilfe, Inflation!

KommentarBoom & Bust: Hilfe, Inflation!

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

von Malte Fischer

Der Preisauftrieb in Deutschland beschleunigt sich. Die Geldpolitik der EZB ist zu expansiv für das Land. Ein Kommentar von Malte Fischer.

Wer in den Osterferien mit dem Auto unterwegs war, kam ohne ein prall gefülltes Portemonnaie nicht weit. Denn die Rechnung beim Stopp an der Tankstelle hat mittlerweile fast den Preis eines Herrenjackets erreicht. Auch beim Streifzug durch die Einkaufsmalls kommt keine Freude auf. Ob Jeans, Hemd oder neue Schuhe – überall wird der Kunde kräftig zur Kasse gebeten. Im April schoss die Teuerungsrate im Vorjahresvergleich auf 2,4 Prozent – den höchsten Stand seit September 2009.

Und das ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Der Druck in der Inflationspipeline ist gewaltig. Auf den vorgelagerten Stufen der Produktion sind die Preise in den vergangenen Monaten rasant gestiegen. Auf der Produzentenstufe lagen sie im März um 6,2 Prozent höher als im Vorjahr, Importe waren sogar 11,3 Prozent teurer.

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Inflationsrate in Deutschland

Inflationsrate in Deutschland

Die gute Konjunktur und die steigende Kapazitätsauslastung versetzen die Betriebe in die Lage, höhere Kosten an ihre Kunden weiterzureichen. So befinden sich die Preiserwartungen der Industrie auf einem Niveau wie zuletzt Mitte der Neunzigerjahre, im Großhandel haben sie den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht.

Die Verbraucher müssen sich deshalb auf einen weiteren Teuerungsschub einstellen. Eine aktuelle Studie der Bank UniCredit zeigt, dass die Preise auf den vorgelagerten Produktionsstufen und die Preiserwartungen der Unternehmen stark mit der Entwicklung der Kernrate der Verbraucherpreise (ohne Energie und Nahrungsmittel) korreliert sind.

Auch Kernrate steigt

Die aktuelle Entwicklung spricht dafür, dass die Kernrate der Inflation von derzeit rund 1,5 Prozent bis zum Jahresende auf zwei Prozent steigt. Die Gesamtrate der Inflation dürfte dann locker bei drei Prozent liegen. Angefacht wird der Preisschub durch die für Deutschland viel zu lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Noch wächst die Geldmenge zwar nicht allzu stark. Doch neueste Umfragen der EZB zeigen, dass die Banken in Deutschland ihre Kreditstandards lockern und immer mehr Geld an Unternehmen und Verbraucher ausreichen.

Die boomende deutsche Wirtschaft benötigt daher eher einen Leitzins zwischen vier und fünf Prozent statt der aktuellen 1,25 Prozent. Doch die Krise der Euro-Peripherieländer dürfte die EZB davon abhalten, die Zinsen kräftig zu erhöhen; Experten erwarten nur moderate Anpassungen nach oben. Für Deutschland bleibt die Geldpolitik daher noch lange zu expansiv – und die Inflation zu hoch.

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