Boom & Bust: Kein Dauerbrenner

kolumneBoom & Bust: Kein Dauerbrenner

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Kolumne von Bert Losse

Die Kurzarbeit hat in der Rezession viele Jobs gerettet. Trotzdem sollte die Politik die Förderung nun möglichst schnell auf das Vorkrisenniveau zurückfahren.

Ja, es stimmt: Ohne die Kurzarbeit wäre das deutsche Jobwunder nicht möglich gewesen. Dass der Arbeitsmarkt die Rezession nahezu unbeschadet überstand, haben wir zu einem gehörigen Teil diesem Instrument und der von der Politik hochgefahrenen finanziellen Förderung zu verdanken. Zwischen 200.000 und 500.000 Jobs habe die Kurzarbeit gerettet, glauben Experten.

Doch was in Krisenzeiten gut und richtig war, muss im Aufschwung noch lange keinen Sinn machen. Als arbeitsmarktpolitischer Dauerbrenner ist die Kurzarbeit schlicht zu teuer und die Gefahr des Missbrauchs zu hoch. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zahlt betroffenen Arbeitnehmern ja nicht nur zwischen 60 und 67 Prozent des ausgefallenen Lohns. Noch bis Ende März 2012 übernimmt die BA zudem die Sozialversicherungsbeiträge, im ersten halben Jahr zu 50 Prozent, ab dem sechsten Monat komplett. Insgesamt mussten die Steuer-und Beitragszahler 2009 für die Kurzarbeit so fast 4,6 Milliarden Euro lockermachen.

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Kurzarbeiter

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Angesichts leerer öffentlicher Kassen und drohender Beitragssprünge in der Arbeitslosenversicherung ist es daher legitim, nun den Rotstift anzusetzen. Zumal die Ökonomen der OECD in ihrem Beschäftigungsbericht in der vergangenen Woche auch eine unangenehme Wahrheit über die vermeintliche Wunderwaffe Kurzarbeit zu Papier brachten. Danach hätten viele Kurzarbeiter angesichts des Fachkräftemangels auch ohne öffentliche Zuschüsse ihren Job behalten – eine vornehme Umschreibung für Mitnahmeeffekte.

Auf dem Höhepunkt der Krise 2009 gab es bis zu 1,5 Millionen Kurzarbeiter. Nun sinkt die Zahl zwar von Monat zu Monat, doch noch immer sind es rund 613.000. Da darf die Frage schon erlaubt sein, ob manche Firmenchefs nicht die Augen vor einem dauerhaften Strukturwandel in ihren Märkten verschließen. Macht es Sinn, Beschäftigte bis zu 18 Monate in Betrieben zu halten, in denen es für sie womöglich auf Dauer zu wenig zu tun gibt – während andere Firmen händeringend Leute suchen?

Die Regierung sollte ein Zeichen setzen, die Übernahme der Sozialbeiträge deutlich vor dem Frühjahr 2012 stoppen und die maximale Förderdauer von 18 auf 6 Monate zurückfahren, also auf Vorkrisenniveau. Das deutsche Jobwunder endet dadurch nicht.

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