Boom & Bust: Kompromiss im Währungsstreit nicht in Sicht

KommentarBoom & Bust: Kompromiss im Währungsstreit nicht in Sicht

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz

von Elke Pickartz

Die USA und China können auf ihrem Gipfel den Währungsstreit nicht beilegen. Das wird sich rächen.

Was hat dieser Gipfel nicht alles an Erwartungen geschürt. Chinas Staatschef Hu Jintao besucht seinen Amtskollegen Barack Obama in Washington und sogleich wird medial über eine neue Ära und Schicksalsgemeinschaft philosophiert. Obama selbst legte noch einmal nach: Vor gut 30 Jahren hätten US-Präsident Carter und Chinas Staatschef Deng an gleichem Ort die Beziehungen neu begründet und drei Jahrzehnte wachsender Verständigung eingeläutet. Hus Besuch könne diese Basis für die nächsten 30 Jahre legen.

Das sind große Worte in einer Zeit, in der die globale Finanz- und Wirtschaftskrise die beiden größten Volkswirtschaften an die Grenzen ihrer Belastbarkeit treibt. Auf den Währungsstreit angesprochen, kehrten die beiden Staatsführer denn auch wieder schnell zum alltagspolitischen Realismus zurück. Hu sieht das Dollar-basierte Weltwährungssystem als Produkt der Vergangenheit an und pocht auf Chinas eigenen Weg. Obama hält den Yuan weiter für unterbewertet und fordert ein Win-Win in den Beziehungen ein. In einer gemeinsamen Erklärung verpflichteten sie sich zwar, eine vorausschauende Geldpolitik zu verfolgen, die die Effekte auf die Weltwirtschaft berücksichtigt. Doch der gleiche Passus findet sich bereits in einer Erklärung vom November 2009 – seither hat die US-Notenbank ihre Schleusen weiter geöffnet und die Welt mit billigen Dollar überschwemmt.

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Vorerst keine großen Entwicklungen in Sicht

Lässt sich der Streit überhaupt beilegen? Zunächst müssten die USA von ihrer ultralockeren Geldpolitik abrücken. Doch das wird nicht passieren, solange die US-Arbeitslosigkeit auf Rekordständen verharrt und der heimische Aufschwung nicht gesichert ist. China, das seine Währung an den Dollar gekoppelt hat, wird davon besonders getroffen, denn es kauft immer größere Dollar-Mengen an, um seinen Wechselkurs zu stützen.

Peking seinerseits müsste tatsächlich seine Währung liberalisieren. Es ist ein klares Ziel der Regierung, mittelfristig eine größere Rolle im Weltwährungssystem zu übernehmen und die Dominanz des Dollar als Leitwährung zu brechen. Erste Schritte sind bereits getan: Chinesische Unternehmen können seit Kurzem ihren Außenhandel in Yuan abwickeln und ausländische Investitionen in Yuan tätigen. Auch Anleihen in chinesischer Währung werden seit Kurzem im Ausland aufgelegt und stoßen bei US-Firmen wie McDonald’s und Caterpillar auf rege Nachfrage. Doch von hier bis zur Freigabe des Yuan ist es noch ein weiter Weg. Peking fürchtet den Kontrollverlust über seine Finanzmärkte und steigende Arbeitslosigkeit, wenn die Exporteinnahmen instabiler fließen.

Diese großen Trade-offs engen die Handlungsspielräume auf beiden Seiten enorm ein. Ein Kompromiss ist vorerst nicht in Sicht, eine neue Ära internationaler Währungskooperation noch viel weniger. Hu und Obama werden im nationalen Interesse weiter kleine Brötchen backen – und damit eine neue Krise an den Finanz- und Devisenmärkten befeuern.

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