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Boom & Bust: Mehr Währungsflexibilität ist nötig

Kolumne von Elke Pickartz

Der globale Währungsstreit dürfte auch nach Seoul weitergehen – und die Gefahr des Protektionismus erhöhen.

Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz
Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz

Vorschläge, wie die G20-Staaten ihren Währungsstreit beilegen könnten, gab es in den letzten Wochen zur Genüge. Sie reichen von einem Gold-Standard light über eine Neuauflage des Bretton-Woods-Systems fixer Wechselkurse bis hin zur Idee, den Dollar als Leitwährung abzulösen und durch einen Weltwährungskorb zu ersetzen.

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Doch den großen Wurf einer neuen Weltwährungsordnung wird es nicht geben – das zeigen Verlauf und Rhetorik des G20-Gipfels. Nicht zu Unrecht, denn viele Vorschläge gehen am Kern des Problems vorbei. Gold als Ankerwährung setzt eine stabile Parität zwischen weltweit umlaufender Geld- und Goldmenge voraus, die in Zeiten schnell wachsenden Welthandels und Liquiditätsbedarfs kaum zu halten ist. Bretton Woods scheiterte 1971 an der Geldpolitik der USA, die die Dollar-Presse anwarfen, um den Vietnamkrieg zu finanzieren. Nun droht wegen der neuen Dollar-Schwemme Bretton Woods II – die Koppelung des Renminbi und anderer Asienwährungen an den Greenback – zu kollabieren. Nicht weniger, sondern mehr Währungsflexibilität ist das Gebot der Stunde.

Die Forderung der USA ist daher verständlich, China solle den Renminbi-Kurs den Märkten überlassen, anstatt ihn künstlich niedrig zu halten, um seine Exporte zu stützen. Wer wie China die Rolle des Dollar als Leitwährung beklagt, muss selbst mehr Verantwortung übernehmen und seine Devisen- und Kapitalmärkte öffnen. Peking ist dies bewusst, aber es bewegt sich nur zentimeterweise. Die Furcht vor Verwerfungen sitzt tief. Auf der anderen Seite stehen die USA, die ihrer Rolle als Leitwährungsland nicht mehr gerecht werden. Sie betreiben mit ihrer Dollar-Schwemme eine rein nationale Geldpolitik, die ihre Konjunktur über billige Kredite ankurbeln soll. Dass dies die Kapitalmärkte vieler Staaten rund um den Globus destabilisiert, nehmen sie billigend in Kauf.

In Seoul wurden indes vor allem die Ungleichgewichte von Handelsüberschüssen und -defiziten debattiert. Statt Obergrenzen soll es nun ein Frühwarnsystem bei zu großen Schwankungen geben. Doch das wird Länder wie China und Deutschland nicht daran hindern, weiter Überschüsse einzufahren. Ungleichgewichte abzubauen ist eine Frage der Bereitschaft, die Kosten dieser Politik zu tragen. Doch die ist nirgendwo zu erkennen. Die Gefahr ist nun, dass Länder, die unter dem schwachen Dollar und Renminbi leiden, sich abschotten.

Brasilien, das unter der Last des starken Real ächzt, hat zuletzt mehrfach seine Steuern auf Kapitalzuflüsse erhöht – und will China wegen Preisdumping verklagen. Thailand verhängte im Oktober eine 15-prozentige Steuer auf alle Kapitalzuflüsse. Auch Südkorea und Indonesien denken über Kapitalverkehrskontrollen nach. In Japan und den Tigerstaaten halten Experten neue Devisenmarktinterventionen für wahrscheinlich. All dies müsste die G20-Staaten bedenklich stimmen. Doch der Leidensdruck ist offenbar noch nicht groß genug.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.11.2010, 11:16 UhrAnonymer Benutzer: Easterling

    Was man auch berücksichtigen soll - einige Länder haben nicht unerhebliche Währungsreserven aufgebaut, die zum grössten Teil nicht anderes sind, als die Darlehen an die US-Dollar Emitenten FED, b.z.w. den US-amerikanischen Staat. Mit der Geldschwemme werden die Staaten über den Tisch gezogen. Selber schuld - man muss wissen, wem man sein Geld anvertraut. Sollen die aber jetzt versuchen, die Wertpapiere zu irgendeinem Preis zu verkaufen? Mich interessiert auch das Schicksal Deutscher Goldbestände, die in der USA gelagert werden. Wäre es nicht sinnvoll, die "abzuheben" bevor es zu spät wird?

  • 14.11.2010, 13:19 UhrAnonymer Benutzer: bewian

    Amerika hat sich als "Weltpolizei" verkalkuliert. Es gibt in und nach Kriegen nichts zu gewinnen. Die Zeche zahlt die Weltgemeinschaft mit einer zunehmenden Abwertung des Dollar. Rund 60% der umlaufenden Weltwährungen basieren auf dem Dollar. Wird der massiv abgewertet durch immense Dollarausweitung um Amerika zu entschulden kommt es unvermeidlich zu unkontrollierbaren Währungsverwerfungen die im Crahs enden können. irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem sich die Thematik verselbständigt und nicht mehr kontrollierbar wird. ich denke, den Punkt haben wir überschritten. Amerika wird zuerst an sich selbst denken und dann an den Rest der Welt. Glaubt wirklich jemand ernsthaft, das Amerika seine Schulden so abbaut, das den besitzern von Staatsanleihen und Dollars der Wert ihrer Anlagen erhalten bleibt? Das würde für Amerika bedeuten, Steuern massiv rauf, Sozialleistungen erheblich kürzen, Militärausgaben drastisch senken usw. ich glaube nicht, das dieser beschwerliche Weg beschritten wird. Wir drehen jetzt noch ein paar Korrekturrunden in der Finanzmagie bis das unausweichliche eintritt.

  • 14.11.2010, 10:01 UhrAnonymer Benutzer: Hagen Tunt

    Sehr geehrter Mathias,

    Kommentare sollten eine gewisse Substanz haben. Aber Sie haben natürlich recht: "nichts gegen freie Meinungsäußerung, aber manchmal ist es klüger NiCHTS über Sachen schreiben, wo man kein Durchblick hat".

    Mit freundlichen Grüßen
    Hagen Tunt

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