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Boom & Bust: Neue Bürde für die Notenbanker

Kolumne von Malte Fischer

Der steigende Ölpreis könnte die EZB zu höheren Zinsen zwingen – und die Wirtschaft bremsen. Von Malte Fischer.

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche
WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Während die Unruhen im Nahen Osten den Ölpreis in luftige Höhen katapultieren, herrscht in Deutschlands Unternehmen Hochstimmung. Wichtige Stimmungsindikatoren befinden sich auf Rekordständen, Ökonomen erwarten für 2011 ein Wachstum von bis zu drei Prozent. Doch Vorsicht! Der Ölpreisanstieg von rund 20 Dollar seit Jahresbeginn auf über 115 Dollar ist eine ökonomische Bürde – und ein negativer Angebotsschock für die gesamte Weltwirtschaft. Je länger die Preishausse anhält – wofür derzeit vieles spricht –, desto tiefer werden die Bremsspuren, die sie in der Konjunktur hinterlässt. So dürften die Unternehmen einen Teil der gestiegenen Energiekosten über höhere Absatzpreise auf die Kunden überwälzen. Das schmälert deren reale Kaufkraft und bremst den Konsum. Der Teil des Kostenschubs, den die Unternehmen nicht überwälzen können, verringert ihre Gewinnspannen. Das drückt die Sachkapitalrendite und bremst die Investitionen.

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Drei Prozent Inflation?

Ölpreis und Exporte
Ölpreis und Exporte

Hinzu kommt, dass der Anstieg des Ölpreises die Konjunktur in wichtigen Handelspartnerländern Deutschlands dämpfen könnte. Die Folge: schlechtere Absatzperspektiven für die Exporteure, die derzeit noch vor Optimismus sprühen. Dem steht zwar gegenüber, dass das teure Öl den Opec-Ländern zusätzliches Geld in die Kassen spült.

Ein guter Teil davon fließt für den Kauf von Waren made in Germany zurück nach Deutschland (siehe Grafik). Allerdings ist der Anteil der Opec-Länder an den deutschen Exporten mit 2,7 Prozent zu gering, als dass dies den Bremseffekt, der von der Konjunktur in den Industrieländern ausgeht, wettmachen könnte.

Wie stark die Wirtschaft unter dem Anstieg des Ölpreises leidet, hängt nicht zuletzt von der Reaktion der Geldpolitik ab. Klettert der Ölpreis weiter, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis die Euro-Inflationsrate die Marke von drei Prozent überspringt.

Wachstumrate unter Druck

Die EZB könnte sich dann gezwungen sehen, die Leitzinsen anzuheben. Berechnungen zeigen, dass ein Ölpreisanstieg von 20 Dollar, der von höheren Leitzinsen begleitet wird, das Wirtschaftswachstum um rund 0,5 Prozentpunkte verringert. Klettert der Ölpreis von seinem derzeitigen Niveau auf seinen alten Rekordstand von 150 Dollar je Fass aus dem Jahr 2008, würde dies die Wirtschaft demnach rund einen Prozentpunkt Wachstum kosten.

Auch wenn sie dadurch nicht gleich in die Rezession stürzt – die Partystimmung in den Betrieben dürfte dann erst einmal vorbei sein.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.03.2011, 08:49 UhrAnonymer Benutzer: Weltenbürger

    @ Speculum: ich denke nicht, dass ein Zusammenhang hergeleitet werden kann zwischen der aktuellen Geldschwemme und dem Abwürgen der Konjunktur via Rohstoff- und Energiepreissteigerungen. Rohstoff- und Energiepreise sind vor allem angebots- und nachfragegetrieben. Die angebotenen und nachgefragten Mengen sind das Ergebnis der Planungen von i.d.R. Unternehmen. Die Anpassung dieser Planungen (und auch Umsätze) verläuft jedoch viel träger als die Finanzmarktspekulation. Das sich auf Grund der Planungen einstellende NiVEAU der Preise kann durch Finanzspekulationen in der einen wie in der anderen Richtung überzeichnet sein. Eine Konjunktur abwürgen sollten sie nicht. im Umkehrschluss könnte man dann ja auch postulieren, dass, wenn die Geldmenge verringert würde, die Rohstoffpreise sinken und auf diese Weise die Konjunktur angeschoben wird.

    Die Spitzenpreise beim Öl wie in 2008 waren das Ergebnis übertriebener Finanzspekulation. Seinerzeit war die bankenkrise bereits im vollen Gang. Ein Überschwappen der bankenkrise auf die Realwirtschaft drohte (was letztlich ja auch geschah). Die Realwirtschaft ist nicht wegen des hohen Ölpreises eingebrochen. Viele Aktienkurse haben bereits Mitte 2007 ihr Hoch gesehen, was auf eine pessimistischere Erwartungshaltung der investoren schließen lässt. Einige US-amerikanische Konjunkturindikatoren aus 2007 rechtfertigen dies auch.

  • 03.03.2011, 11:30 UhrAnonymer Benutzer: Nikolaus

    der Anstieg der Preise für Öl, Nahrungsmittel, Gold,Silber ist mE hauptsächlich der Geldmengen-inflation der Notenbanken zu verdanken und weniger den Unruhen. Diese sind eher Folgen der Preissteigerungen für Nahrungsmittel.

  • 02.03.2011, 14:09 UhrAnonymer Benutzer: Speculum

    Die Geldflut der Notenbanken treibt Energie-und Rohstoffpreise. Für die Verbraucher ist dies wie eine massive Steuererhöhung. Die Wirtschaft lahmt.
    Paradox: Die Notenbanken würgen mit ihrer Geldschwemme das Wirtschaftswachstum ab.

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