Boom & Bust: Neue Bürde für die Notenbanker

kolumneBoom & Bust: Neue Bürde für die Notenbanker

Bild vergrößern

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne von Malte Fischer

Der steigende Ölpreis könnte die EZB zu höheren Zinsen zwingen – und die Wirtschaft bremsen. Von Malte Fischer.

Während die Unruhen im Nahen Osten den Ölpreis in luftige Höhen katapultieren, herrscht in Deutschlands Unternehmen Hochstimmung. Wichtige Stimmungsindikatoren befinden sich auf Rekordständen, Ökonomen erwarten für 2011 ein Wachstum von bis zu drei Prozent. Doch Vorsicht! Der Ölpreisanstieg von rund 20 Dollar seit Jahresbeginn auf über 115 Dollar ist eine ökonomische Bürde – und ein negativer Angebotsschock für die gesamte Weltwirtschaft. Je länger die Preishausse anhält – wofür derzeit vieles spricht –, desto tiefer werden die Bremsspuren, die sie in der Konjunktur hinterlässt. So dürften die Unternehmen einen Teil der gestiegenen Energiekosten über höhere Absatzpreise auf die Kunden überwälzen. Das schmälert deren reale Kaufkraft und bremst den Konsum. Der Teil des Kostenschubs, den die Unternehmen nicht überwälzen können, verringert ihre Gewinnspannen. Das drückt die Sachkapitalrendite und bremst die Investitionen.

Drei Prozent Inflation?

Ölpreis und Exporte

Ölpreis und Exporte

Hinzu kommt, dass der Anstieg des Ölpreises die Konjunktur in wichtigen Handelspartnerländern Deutschlands dämpfen könnte. Die Folge: schlechtere Absatzperspektiven für die Exporteure, die derzeit noch vor Optimismus sprühen. Dem steht zwar gegenüber, dass das teure Öl den Opec-Ländern zusätzliches Geld in die Kassen spült.

Anzeige

Ein guter Teil davon fließt für den Kauf von Waren made in Germany zurück nach Deutschland (siehe Grafik). Allerdings ist der Anteil der Opec-Länder an den deutschen Exporten mit 2,7 Prozent zu gering, als dass dies den Bremseffekt, der von der Konjunktur in den Industrieländern ausgeht, wettmachen könnte.

Wie stark die Wirtschaft unter dem Anstieg des Ölpreises leidet, hängt nicht zuletzt von der Reaktion der Geldpolitik ab. Klettert der Ölpreis weiter, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis die Euro-Inflationsrate die Marke von drei Prozent überspringt.

Wachstumrate unter Druck

Die EZB könnte sich dann gezwungen sehen, die Leitzinsen anzuheben. Berechnungen zeigen, dass ein Ölpreisanstieg von 20 Dollar, der von höheren Leitzinsen begleitet wird, das Wirtschaftswachstum um rund 0,5 Prozentpunkte verringert. Klettert der Ölpreis von seinem derzeitigen Niveau auf seinen alten Rekordstand von 150 Dollar je Fass aus dem Jahr 2008, würde dies die Wirtschaft demnach rund einen Prozentpunkt Wachstum kosten.

Auch wenn sie dadurch nicht gleich in die Rezession stürzt – die Partystimmung in den Betrieben dürfte dann erst einmal vorbei sein.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%