kolumneBoom & Bust: Neues Kainsmal?

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne von Malte Fischer

Die Zahl der Niedriglohnempfänger in Deutschland ist gestiegen. Das ist alles andere als ein Grund zur Empörung. Denn die Alternative für viele Betroffene wäre die Arbeitslosigkeit.

Das Timing war perfekt. Mitten in die nachrichtenarme Ferienzeit platzierte das gewerkschaftsnahe Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen in der vergangenen Woche eine Studie zur Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland. Mehr als jeder fünfte abhängig Beschäftigte arbeitet demnach für einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle. Insgesamt waren den IAQ-Berechnungen zufolge 2008 schon 6,55 Millionen Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor tätig, 2,3 Millionen mehr als 1998. Dabei setzen die Duisburger Wissenschaftler die Niedriglohnschwelle mit zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns an. Das entspricht in Westdeutschland 9,50 Euro. Das politische Echo auf die Studie ließ nicht lange auf sich warten. Die Linkspartei sieht in dem wachsenden Niedriglohnsektor das neue „Kainsmal“ von made in Germany. Die Grünen fordern eine Mindestlohnkommission, und die Gewerkschaften wollen den „Fall der Löhne ins Bodenlose unterbinden“.

Glauben diese notorischen Profi-Empörer wirklich, den Betroffenen mit Mindestlöhnen zu helfen? Sicherlich ist es nicht spaßig, für sechs oder sieben Euro in der Stunde zu arbeiten. Doch die Alternative für viele Betroffene ist nicht ein Job mit 20 Euro in der Stunde, sondern die Arbeitslosigkeit. Viele Niedriglöhner verfügen nur über eine geringe Produktivität, sei es, weil es ihnen an einer Ausbildung fehlt, oder weil sie über längere Zeit nicht am Berufsleben teilgenommen haben. Bei Löhnen, wie sie die Gewerkschaften fordern, liegen die Kosten für die Unternehmen weit über dem Ertrag, den die Arbeitskräfte liefern. Kein Unternehmen ist bereit, unter solchen Umständen Arbeitskräfte zu beschäftigen. Der Niedriglohnsektor ist für viele weniger Qualifizierte daher der einzige Weg, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dass dieser Weg funktioniert, zeigen die Erfolge auf dem Arbeitsmarkt. Im Juli sank die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 20.000 auf 3,211 Millionen. Im Herbst könnte sie sogar unter die Drei-Millionen-Marke rutschen. Ohne den Ausbau des Niedriglohnsektors hätte es diesen Erfolg nicht gegeben. Wer den Niedriglohnsektor abschaffen will, nimmt in Kauf, dass die Arbeitslosig-keit wieder Richtung fünf Millionen steigt.

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