Boom & Bust: Ökonomie der Abrüstung

kolumneBoom & Bust: Ökonomie der Abrüstung

Bild vergrößern

Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz

Kolumne

US-Präsident Barack Obama hat die Vision einer atomwaffenfreien Welt entworfen. Dahinter steht wohl eine politische Vision, aber auch handfestes ökonomisches Kalkül.

Sie passte gut ins Bild so kurz vor Ostern – die Rede Barack Obamas in Prag. Wenige Tage bevor in Deutschland und andernorts die Ostermärsche starteten, spricht der US-Präsident vor Zehntausenden jubelnden Menschen von einer neuen Ära der Abrüstung.

Eine politische Vision mag man ihm nicht absprechen, doch genauso sind es starke ökonomische Interessen, die ihn leiten: Die Bush-Regierung hat in acht Jahren ihrer Amtszeit den Etat des Verteidigungsministeriums auf astronomische 666 Milliarden Dollar verdoppelt – das ist fast so viel, wie alle anderen Staaten der Welt zusammen für Rüstung und Verteidigung ausgeben.

Anzeige

Zugleich steht der neuen US-Regierung das Wasser bis zum Hals – die Auswirkungen der Finanzkrise inklusive des knapp 800 Milliarden Dollar schweren Konjunkturprogramms werden das US-Haushaltsdefizit auf zwölf Prozent in die Höhe treiben. Will Obama sein Versprechen halten und es bis 2013 wieder auf drei Prozent drücken, müssen harte Einschnitte her.

Da bietet sich das aufgeblasene Budget des Pentagons an: Die teure Hortung strategischer Atomwaffen und Investitionen in milliardenschwere, unzeitgemäße High-Tech-Projekte sind das beste Beispiel für die Fehlallokation knapper Ressourcen und ökonomischer Ineffizienz. Von einer weltweiten Abrüstung würde vor allem die Welt-Militärmacht Nummer eins USA profitieren.

Kooperation wird belohnt

Neben dem Ökonomen Obama hat in Prag auch der Realist Obama gesprochen: Der US-Präsident ist kein Ostermarsch-Pafizist, der Frieden um jeden Preis sucht. So lange Nuklearwaffen existieren, werde Amerika ein Arsenal aufrechterhalten, das stark genug sei, jeden Gegner abzuschrecken und die Verteidigung seiner Verbündeten zu garantieren, sagte er. Das ist ein klassisches Paradigma der Spieltheorie, die auf ein stabiles „Gleichgewicht des Schreckens“ setzt.

Ihm zugrunde liegt das berühmte „Gefangenendilemma“, das über Jahrzehnte hinweg die Regeln des Rüstungswettlaufs zwischen den USA und der Sowjetunion diktierte: So lange alle Spieler miteinander kooperieren, werden sie belohnt. Doch es besteht immer auch die Versuchung, dass einer nicht kooperiert, weil er damit seinen Gewinn erhöhen kann.

Eine atomwaffenfreie Welt bleibt eine Illusion – das weiß auch Obama. Doch durch mehr Kooperation werden die Kosten aller in diesem Spiel gesenkt. Die Strategie, nicht zu kooperieren, ist spieltheoretisch nämlich nur dann die beste, wenn sich die Kontrahenten nur einmal treffen. Treffen sie wiederholt zusammen, sollte man anders vorgehen: Kooperiere in der ersten Runde; dann folge dem Zug des anderen Spieler beim vorangegangenen Spielzug. Diese Taktik trägt den Namen „Auge um Auge“.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%