Boom & Bust: Offenes Tor für Inflation

kolumneBoom & Bust: Offenes Tor für Inflation

Kolumne von Bert Losse

Viele Ökonomen reden seit Monaten die Inflationsgefahr in Deutschland klein. Das ist ein Fehler.

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Inflation? Für die Mehrzahl der Ökonomen war dies in den den vergangenen Monaten ein Nicht-Thema. Viele Auguren fürchteten eher die Deflation, also ein dauerhaftes Absinken des Preisniveaus. Doch jetzt das! Laut EU-Statistikbehörde Eurostat ist die Inflationsrate im Euro-Raum im Dezember auf 2,2 Prozent gestiegen, das ist der höchste Stand seit Oktober 2008. Die Teuerung liegt nun über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter zwei Prozent. Auch wenn die Verbraucherpreise in Deutschland etwas weniger anziehen (plus 1,7 Prozent), ist dies ein Warnsignal.

Fünf Tore für eine mögliche Inflation in Deutschland

Das Heer der Beschwichtiger verweist darauf, dass die Kernrate der Inflation, die die volatilen Nahrungs- und Energiepreise herausrechnet, nur wenig über einem Prozent liegt. Zudem hätten statistische Basiseffekte und Mehrwertsteuererhöhungen in einigen EU-Staaten die Inflationsrate künstlich nach oben geschraubt. Stimmt alles. Fakt ist aber auch, dass die potenziellen Einfalltore für Inflation gerade in Deutschland sperrangelweit offen stehen:

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Die Effektivlöhne in Deutschland dürften 2011 deutlich steigen. Selbst die sonst moderate Chemiegewerkschaft fordert angesichts des Aufschwungs in der anstehenden Tarifrunde sechs bis sieben Prozent mehr Geld.

Der schwächelnde Euro erfreut zwar die Exporteure, verteuert aber die Einfuhren. Je tiefer der Euro bei neuen Turbulenzen der Währungsunion fällt, umso höher das Risiko einer importierten Inflation.

Das Schuldendesaster in Europa weckt Begehrlichkeiten bei den Regierungen, die Schuldenberge durch Inflation real zu entwerten. Der politische Druck auf die EZB, ihre expansive Geldpolitik aufrechtzuerhalten, dürfte immens sein – und womöglich erfolgreich.

Die Rohstoffpreise klettern weiter. Im Dezember sind die Notierungen um fast zehn Prozent gestiegen, 2011 dürfte es vor allem bei Industriemetallen weiter nach oben gehen. Vielen Firmen bleibt keine andere Wahl, als die höheren Kosten auf die Produktpreise umzulegen. Die Erzeugerpreise in Deutschland steigen bereits seit Monaten mit Raten zwischen 3,9 und 4,4 Prozent.

Wichtigstes Argument der Inflationsverneiner ist die geringe Kapazitätsauslastung der Industrie. Die indes steigt in der EU seit fünf Quartalen kontinuierlich an und lag zuletzt bei 80 Prozent. Der Einkaufsmanagerindex für die EU-Industrie ist im Dezember auf ein Acht-Monats-Hoch geklettert und liegt mit 57,1 Zählern deutlich über der Expansionsschwelle von 50 Punkten.

Höchste Zeit, dass sich in der Inflationsfrage die Falken wieder aus der Deckung wagen.

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