kolumneBoom & Bust: Riskantes Spiel

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Kolumne von Bert Losse

Sollte die Europäische-Zentralbank am Devisenmarkt intervenieren, um den Euro zu stützen?

Mit Gerüchten ist es so eine Sache. Ganz richtig sind sie meist ja nicht. Ganz falsch aber auch nicht. Und daher sollte man durchaus ernst nehmen, was in diesen Tagen durch die Finanzcommunity in Frankfurt wabert – dass die Europäische Zentralbank (EZB) massive Euro-Käufe am Devisenmarkt erwägen soll, um den anhaltenden Kursverlust der Gemeinschaftswährung zu stoppen. EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark weist den Verdacht noch weit von sich. Gleichwohl gehören Interventionen am Devisenmarkt zum Werkzeugkasten jeder Notenbank. Im Herbst 2000, als der Euro auf ein Rekordtief von 0,85 Dollar gefallen war, hat auch die EZB drei Mal eine solche Notaktion durchgeführt.

Frage der Psychologie

Doch haben Devisenmarktinterventionen überhaupt eine nachhaltige Wirkung? Da ist Skepsis angebracht. Erstens darf eine Intervention kein Alleingang sein. Nur eine konzertierte Aktion mehrerer großer Notenbanken beeindruckt die Märkte. Zweitens zeigt die Erfahrung, dass Stützungskäufe eine bereits erfolgte Kurswende nach oben oder unten verstärken, aber in der Regel keinen Markttrend umkehren können. Manche Ökonomen halten es überdies für zwingend notwendig, dass die Zentralbank parallel zu ihren Stützungskäufen die Leitzinsen erhöht, um über eine veränderte Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen die Nachfrage nach heimischer Währung anzukurbeln. 

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Auch die Psychologie spielt eine Rolle. Nehmen wir an, die EZB machte nun tatsächlich Milliarden locker, um Euro anzukaufen. Wäre dies nicht ein Signal an die ohnehin panischen Märkte, dass die Notenbank einen echten Absturz des Euro befürchtet? Trotz der jüngsten massiven Kursverluste gilt die Gemeinschaftswährung noch nicht als fundamental unterbewertet; vergangene Woche lag der Kurs bei rund 1,22 Dollar. Eine Intervention zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein riskantes Spiel und könnte die Unsicherheit an den Märkten eher verstärken als beseitigen. An den realwirtschaftlichen Gründen der Euro-Schwäche – die im Vergleich zu den USA schwächeren Wachstumsperspektiven Europas – ändern Stützungskäufe ohnehin nichts.

Einen unbestreitbaren Vorteil hätte eine EZB-Intervention aber doch: Kauft die Notenbank Euro an, saugt sie Liquidität ab. Die Geldmenge sinkt – und damit das Inflationsrisiko. Dies wäre ein wichtigerer Effekt als eine Schein-Stabilisierung des Euro.

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