Boom & Bust: Unberechenbare Konjunktur

Boom & Bust: Unberechenbare Konjunktur

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Im Rahmen der Abrackprämie haben sich viele Deutsche von ihrem fahrbaren Liebling getrennt. Nie zuvor wurde mit so großen Mittel gegen eine Finanzkrise gearbeitet. Das macht die Prognosen sehr unsicher

von Elke Pickartz

Die Institute haben das Wachstum deutlich nach oben revidiert. Wie verlässlich sind die Prognosen?

Dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 3,5 Prozent wachsen soll, wie die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem vergangene Woche veröffentlichten Herbstgutachten schreiben, ist erfreulich. Eine Drei vor dem Komma war von den meisten Ökonomen zuletzt erwartet worden. Das eigentlich Brisante dieses Herbstgutachtens steht im Kleingedruckten: Auf Seite 30 wird in vier knappen Absätzen daran erinnert, dass die Institute die Lage vor nur sechs Monaten noch ganz anders eingeschätzt hatten und mäßige 1,5 Prozent Wachstum voraussagten. „Eine Anhebung der Prognose um zwei Prozentpunkte hat es in den vergangenen 20 Jahren noch nie gegeben“, bekennen die Gutachter, die unter anderem aus so renommierten Instituten wie dem ifo Institut und dem ZEW stammen. Massiv daneben lagen sie bei Inlandsnachfrage und Exporten gleichermaßen.

Extreme Unischerheit

Dass Schätzung und Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen, liegt an der extremen Unsicherheit, die in diesen Krisenzeiten aller Konjunkturschau anhaftet: Wer kann nach einer so außergewöhnlichen Krise schon vorhersagen, wie sich die Lage in den USA oder Fernost entwickeln und wohin der Euro-Kurs treiben wird? Um ihre Prognosen besser abzustützen, haben die Auguren historische Daten aus mehreren Ländern herangezogen. Diese zeigen, dass sich die Wirtschaft nach Finanzkrisen in der Regel nur schleppend erholt. Allerdings hat es in früheren Finanzkrisen nur selten so expansive Gegenreaktionen vonseiten der Geld- und Finanzpolitik gegeben wie diesmal.

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Welche Lehren lassen sich daraus für das Prognosegeschäft ziehen? Manche Experten glauben, dass Konjunkturprognosen in Zukunft noch unberechenbarer werden. Dies gilt insbesondere für Staaten mit hohen Exportquoten wie Deutschland und Japan. Deren Wirtschaft hängt besonders stark von weltwirtschaftlichen Entwicklungen ab. Boom-and-bust-Zyklen der Schwellenländer können ebenso tiefe Spuren im Konjunkturprofil hinterlassen wie neuerliche Volten auf den Devisenmärkten. Die Annahme der Herbstgutachter, der Euro-Kurs werde im Prognosezeitraum bei 1,35 Dollar bleiben, ist vor dem Hintergrund der aktuellen Turbulenzen geradezu heroisch.

Da Regierung und Wirtschaft dringend auf Prognosen über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung angewiesen sind, sollten die Forscher der Institute deutlich machen, dass eine Punkt-Prognose in Zeiten wie diesen nur ein best guess sein kann. Dieser sollte durch eine Bandbreite möglicher Prognoseergebnisse ergänzt werden, für die die Forscher Eintrittswahrscheinlichkeiten nennen sollten.

Die Bundesregierung als wichtiger Rezipient der Konjunkturgutachten ist jedenfalls gut beraten, ihre Steuerschätzung, die auf dem Zahlenwerk der Gutachter fußt, mit einem ordentlichen Puffer zu versehen. Sonst könnte es im nächsten Jahr ein böses Erwachen für den Bundesfinanzminister geben.

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