Boom & Bust: Was nach der Krise auf uns zukommt

kolumneBoom & Bust: Was nach der Krise auf uns zukommt

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne

Die explodierenden Staatsschulden zwingen die Regierungen, nach dem Ende der Krise die Haushalte zu konsolidieren. Höhere Steuern und mehr Inflation dürften die Folge sein.

Der Schock war groß, als die Ratingagentur Standard & Poor’s vor wenigen Tagen den Ausblick für die Bonitätsbewertung britischer Staatsanleihen wegen der ausufernden Staatsschulden von „stabil“ auf „negativ“ herabsetzte. Die Kapitalmärkte reagierten prompt. Sie schickten britische Staatsanleihen und das Pfund auf Talfahrt – und spekulierten umgehend auch gegen den US-Dollar. Denn ebenso wie in Großbritannien explodieren auch in den USA die Staatsschulden. In den Ländern der Euro-Zone sieht es nicht viel besser aus.

Die Rezession, die Konjunkturprogramme sowie die Rettungspakete für Banken und Realwirtschaft reißen in allen Ländern Krater in die öffentlichen Haushalte. Mit dem nahenden Ende der Wirtschaftskrise rückt daher die Frage ins Zentrum, wie die Staatshaushalte wieder ins Lot gebracht werden können. Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten: Hohes Wirtschaftswachstum, sinkende Staatsausgaben, höhere Steuern und steigende Inflation. Hohe Wachstumsraten, die die Steuerquellen sprudeln lassen, werden aber immer unwahrscheinlicher, da der wirtschaftspolitische Paradigmenwechsel staatliche Interventionen zum Allheilmittel erklärt und die Liberalisierungsfortschritte der vergangenen Jahrzehnte im Zeitraffertempo zurückdreht.

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Ausgabenkürzungen wären zwar das richtige Konsolidierungsinstrument. Doch den Regierungen fehlt meist die Kraft dazu und wenn, dann setzen sie den Rotstift an der falschen Stelle an, bei Investitionen in Schulen, Straßen und Unis. Das lässt ahnen, dass die Konsolidierung letztlich über höhere Steuern und mehr Inflation laufen wird, auch wenn die Teuerungsraten derzeit noch bei minus 0,7 Prozent (USA) beziehungsweise null Prozent (Deutschland) liegen.

In den USA dürfte die Regierung versucht sein, ihre Schuldenlast vor allem durch Inflation zu drücken, während Europa wohl auf Steuererhöhungen setzt. Die US-Notenbank hat durch die Monetisierung der Staatsschulden ihre Unabhängigkeit längst verloren. Zudem ist sie nicht allein der Wahrung stabiler Preise verpflichtet. Sie wird einer Entschuldung durch Inflation daher weniger ablehnend gegenüberstehen als die Europäische Zentralbank, deren prioritäres Ziel es ist, die Preise stabil zu halten. Weil die US-Bürger ihre Ersparnisse zudem stärker in Aktien, die Europäer dagegen mehr auf Sparbüchern angelegt haben, genießen die Amerikaner einen besseren Schutz vor Inflation. Eine höhere Teuerungsrate dürfte deshalb jenseits des Atlantiks auf weniger Widerstand stoßen als hierzulande.

Auch wenn die aktuelle Krise bald überstanden ist – die Nachwehen werden die Bürger noch lange spüren.

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