Boom & Bust: Wasser unterm Kiel

kolumneBoom & Bust: Wasser unterm Kiel

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne von Malte Fischer

Die Gewerkschaften wollen die Arbeitnehmer am Aufschwung beteiligen und fordern kräftige Lohnsteigerungen für alle. Dabei wäre es gerade jetzt Zeit für eine stärkere Differenzierung.

Der Export boomt, die Orderbücher füllen sich, und die Unternehmen verdienen wieder prächtig.

Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die Arbeitnehmer ihren Anteil am wachsenden Kuchen der Wirtschaft einfordern. In der vergangenen Woche war es so weit.

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Die IG Metall kündigte das Ende der krisenbedingten Lohnzurückhaltung an. In der Tarifrunde für die Stahlindustrie, die im September beginnt, werde es nicht mehr um Beschäftigungssicherung, sondern um höhere Löhne gehen, ließ die größte deutsche Gewerkschaft wissen.

Die akademische Hintergrundmusik zum neu erwachten Selbstbewusstsein der Arbeitnehmervertreter lieferte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger, der gleich Lohnerhöhungen von mindestens drei Prozent empfahl.

Die Forderungen der Gewerkschaften und ihrer wissenschaftlichen Einflüsterer sind verständlich

Stundenlöhne

Stundenlöhne

In vielen Betrieben haben die Arbeitnehmer während der Krise den Gürtel enger geschnallt. Kurzarbeiter nahmen Gehaltseinbußen hin, und wer nicht kurzarbeiten musste, verzichtete zum Teil auf Zusatzleistungen und Gratifikationen.

Doch es wäre falsch, daraus jetzt den Anspruch auf eine späte Wiedergutmachung in Form höherer Löhne abzuleiten. Die Gegenleistung für ihren Lohnverzicht haben die Arbeitnehmer längst erhalten: die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes.

Heißt das nun, dass für die Arbeiter und Angestellten trotz Aufschwung mal wieder nichts drin ist? Mitnichten.

Doch was jetzt gefordert ist, ist eine Tarifpolitik mit Augenmaß. Statt aus den ohnehin unsicheren Projektionen gesamtwirtschaftlicher Schlüsselgrößen wie dem Produktivitätszuwachs und der erwarteten Inflation pauschale Hausnummern für Lohnerhöhungen abzuleiten, sollten die Arbeitnehmervertreter die spezifische Lage der einzelnen Betriebe stärker als bisher berücksichtigen.

Der Aufschwung ist da, aber anders als die Flut hat er nicht alle Boote gleichmäßig gehoben.

So gibt es selbst in den Paradebranchen wie der Autoindustrie und dem Maschinenbau Sektoren, die noch nicht richtig Wasser unterm Kiel haben.

Sinnvoll wäre es daher, die Gewerkschaften beschränkten sich bei den Lohnabschlüssen auf eine Rate, die lediglich den aktuellen Preisanstieg ausgleicht, und gewährten den Betrieben mehr Spielräume als bisher für Abweichungen nach oben und unten.

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