Boom & Bust: Weichwährung Dollar?

kolumneBoom & Bust: Weichwährung Dollar?

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne

Der Dollar ist auf Talfahrt. Anleger fürchten bereits das Ende des Greenback als globale Leitwährung. Dennoch könnte der Dollar schon bald ein überraschendes Comeback erleben.

Wer in den vergangenen Monaten auf einen starken Dollar gesetzt hat, hat viel Geld verloren. Seit dem Frühjahr befindet sich der Greenback auf Talfahrt. Gemessen am Korb der wichtigsten Handelspartnerwährungen, liegt sein Wert derzeit um mehr als neun Prozent niedriger als im März. In der vergangenen Woche hat sich die Rutschpartie noch beschleunigt. Mit über 1,47 Dollar müssen Investoren nun so viel Dollar für einen Euro aufwenden wie seit einem Jahr nicht mehr. Als Gründe für die Schwäche des Greenback verweisen Anleger gern auf die explodierenden Staatsschulden und die steigenden Inflationsgefahren im Gefolge der superexpansiven Geldpolitik in den USA. Beides gefährde die Stellung des Dollar als globale Leitwährung. Doch diese Argumente überzeugen nicht. Sicher, die Staatsverschuldung in den USA schnellt kräftig nach oben. Aber in welchem Land ist das nicht der Fall? Auch in der Euro-Zone und in Großbritannien laden die Regierungen dem Gemeinwesen immer mehr Kredite auf.

Ähnliches gilt für die milliardenschweren Liquiditätsinjektionen der US-Notenbank Fed. Sie finden ihre Entsprechung in anderen Ländern. Diese Faktoren stellen daher keine spezifische Belastung für die USA und den Greenback dar. Zudem stecken die Chinesen wieder mehr Geld in US-Staatsanleihen. Das spricht dagegen, dass der Dollar bald seinen Status als Leitwährung verliert.

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Fed wird als erstes die Zinsen anziehen

Der wahre Grund für die Schwäche des Dollar liegt woanders. Es sind die Carry-Trades, die Zinsspekulationsgeschäfte, bei denen Anleger Geld in Niedrigzinswährungen aufnehmen und in höher verzinslichen Währungen anlegen. Zum ersten Mal seit 1994 liegt derzeit der Zins für Dollar-Interbankenkredite mit dreimonatiger Laufzeit (0,29 Prozent) unter den Zinsen für die klassischen Carry-Trade-Währungen Yen (0,35 Prozent) und Schweizer Franken (0,3 Prozent). Der Dollar ist dadurch zur Finanzierungswährung Nummer eins für Carry-Trades geworden. Das hat das Angebot an Dollar am Devisenmarkt erhöht und den Kurs auf Talfahrt geschickt.

Das könnte sich allerdings bald ändern. Zieht die Konjunktur in den USA stärker an als in Europa, worauf einige Indikatoren hindeuten, wird die Fed die erste Zentralbank sein, die die Leitzinsen wieder erhöht. Dann werden sich die Carry-Trades schnell umkehren – und dem Dollar zu neuer Stärke verhelfen.

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