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Boom & Bust: Weisheit der Geldbörse

Kolumne von Bert Losse

In der Krise waren die Konsumenten ein überraschender Stabilitätsanker für die deutsche Konjunktur. Im Aufschwung könnten sie nun zum Bremsklotz werden - mit gutem Grund.

WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse
WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse
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Wenn das Statistische Bundesamt seine Detailrechnungen zum Bruttoinlandsprodukt vorlegt, gibt dies Ökonomen stets profunde Einblicke ins Innenleben unserer Volkswirtschaft. In der vergangenen Woche war es mal wieder so weit, und das wichtigste Ergebnis lautete diesmal: Im vierten Quartal 2009 war der private Konsum der große Verlierer. Er sank um ein Prozent gegenüber dem Vorquartal – und ließ die Wirtschaft insgesamt stagnieren.

Viel besser dürfte es vorerst nicht werden: Das vom Marktforschungsunternehmen GfK ermittelte Konsumklima ist im März zum fünften Mal hintereinander gefallen und liegt nun auf dem Niveau von Juli 2009, als die Rezession Deutschland noch im Würgegriff hielt. Aus dem Einzelhandel ist zu hören, man sei 2010 schon mit einer „schwarzen Null“ zufrieden.

Skeptik gegenüber dem Aufschwung

Skeptische Verbraucher
Skeptische Verbraucher. Das Gfk-Konsumklima. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Verkehrte Welt: Während der schlimmsten Rezession der Nachkriegszeit reagierten die Deutschen gelassen und schränkten ihren Konsum kaum ein. Nun aber, wo es nach oben geht, halten viele das Portemonnaie geschlossen. Die Verbraucher bewerten die Stärke und Nachhaltigkeit des Aufschwungs weit skeptischer als die Unternehmen.

Vor allem nehmen die Jobängste spürbar zu. Der Arbeitsmarkt ist ein nachlaufender Konjunkturindikator und reagiert mit einer Verspätung von sechs bis neun Monaten auf konjunkturelle Wendepunkte. Die Verbraucher fürchten daher zu Recht, dass die Arbeitslosenzahlen weiter nach oben gehen, obwohl sich die Wirtschaft erholt. Für Februar meldete die Bundesagentur für Arbeit einen Anstieg um 26.000 auf 3,64 Millionen Arbeitslose.

Vor diesem Hintergrund lassen die Bürger das Geld für die neue Schrankwand lieber auf dem Sparbuch. Hinzu kommt: 2009 durften sich viele Arbeitnehmer über ordentliche Lohnzuwächse bei extrem niedriger Inflation freuen. 2010 aber ist damit Schluss. Die Preise steigen wieder. Und der Spielraum für höhere Löhne ist sehr eng.

Was folgt daraus für die Konjunktur? Wenn die Konsumenten knausern und staatliche Konjunkturimpulse auslaufen (eine Zwangsläufigkeit angesichts des Schuldendesasters), bleibt einmal mehr nur der Export als Lokomotive des Aufschwungs übrig. Und all jene, die in der Krise laut eine Abkehr von unserem exportfixierten Wachstumsmodell forderten, dürften leiser werden.

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 04.03.2010, 17:18 UhrAnonymer Benutzer: AJ

    Aussage: Die Krise ist nun auch beim Otto-Normal-bürger angekommen. Der hat nämlich vorher nicht viel von der Krise bemerkt und sich gewundert, warum ständig darüber berichtet wird. Er hat doch stabile Preise, Geschenke vom Staat (Abwrackprämie+Kindergeld) und endlich auch mal wachsende Löhne erleben können. Jetzt, während die ersten Unternehmen die Talsole bereits verlassen, herrscht bei ihm Angst. Er spart. Aber warum sollte uns das kümmern? im Gegensatz zu den USA oder Frankreich ist die binnenkonjunktur immer eine vernachlässigte Größe gewesen. Will man die binnenkonjuktur wirklich ankurbeln, muß man dem bürger Geld für den Konsum geben. Aber das sollten wir erstmal tunlichst sein lassen und der Staat sollte selbst mal ans Sparen denken. Wollte die jetzige Regierung nicht zum bürokratieabbau beitragen? Stattdessen werden neue Verwaltungsjobs geschaffen. Nein, wir müssen uns dringend auch mal um die Ausgabenseite kümmern ...

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