Boom & Bust: Weiter am Tropf der EZB

kolumneBoom & Bust: Weiter am Tropf der EZB

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz

Kolumne von Elke Pickartz

Am 1. Juli mussten europäische Banken der EZB 442 Milliarden Euro zurückzahlen. Das Geschäft lief ruhiger als erwartet – doch die Krise am Geldmarkt ist noch lange nicht vorbei.

Aufatmen – das war die erste Reaktion an den Finanzmärkten. Der „Zahltag“ der Europäischen Zentralbank (EZB) ist deutlich entspannter verlaufen als allgemein erwartet. Die EZB hatte den Banken vor einem Jahr die enorme Summe von 442 Milliarden Euro geliehen, die am vergangenen Donnerstag fällig wurde. Die Banken zahlten zurück und liehen sich zugleich 243 Milliarden Euro neues Geld von der EZB – deutlich weniger als erwartet.

Das ist zunächst ein erfreuliches Signal, denn es deutet darauf hin, dass die Banken weniger auf die Geldspritzen der EZB angewiesen sind als bislang. In der Finanzkrise sprangen die Währungshüter am Geldmarkt ein, da sich die Banken untereinander kein Geld mehr leihen wollten. Können sie nun den Tropf langsam abdrehen? 

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300 Millarden Euro geparkt

Man muss genauer auf die Zahlen schauen: Haben sich die Banken im vergangenen Jahr wirklich 442 Milliarden Euro geliehen, weil sie in Geldnot waren? Denkbar wäre auch, dass sich viele prophylaktisch bedient haben. Oder um das Geld anderweitig für etwas höhere Zinsen wieder anzulegen – ein schönes Arbitragegeschäft, bei dem die EZB mitspielen muss, weil sie nicht differenzieren kann. Das würde bedeuten, dass die Spannungen am Geldmarkt im Juni 2009 womöglich deutlich überzeichnet waren. Dann aber ließe sich kaum sagen, ob die Geldnot heute tatsächlich so viel geringer ist.

Mittlerweile sind risikolose Arbitragegeschäfte wegen der allseits gesunkenen Zinssätze kaum noch möglich. Diejenigen Banken, die sich nun neues Geld geliehen haben, sind also größtenteils tatsächlich darauf angewiesen. Ins Blickfeld rückt erneut Spanien, dessen angeschlagene Sparkassen seit Wochen klagen, dass ihnen keine Bank in Europa mehr Geld leiht. Es gibt also weiterhin genügend Notfallpatienten, die am Tropf der EZB hängen und ein gefährliches Störpotenzial besitzen. Wie misstrauisch die Banken bleiben, zeigt sich auch daran, dass sie seit Wochen über 300 Milliarden Euro bei der EZB parken, die sie nicht verleihen wollen.

Dennoch hilft es auf Dauer nichts, wenn die EZB den Tropf unbegrenzt laufen lässt, denn das kuriert nicht die Ursachen, sondern nur die Symptome. Das gegenseitige Misstrauen der Banken lässt sich nicht durch immer neue Geldspritzen beheben, sondern nur durch neues Vertrauen. Dazu müssen Europas Banken endlich ihre Bücher öffnen. Erst dann wissen die Märkte und Anleger, in welchem Keller welche Leichen liegen. Die jüngsten Stresstests sind ein erster Schritt, aber es müssen größere folgen. Nur dann besteht die Chance, dass der Geldtropf der EZB nicht zur Dauertherapie wird.

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