Boom & Bust: Wo ist der Ausgang?

kolumneBoom & Bust: Wo ist der Ausgang?

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Kolumne von Bert Losse

Den Notenbanken steht eine Gratwanderung bevor: Um Inflation zu verhindern, müssen sie ihre expansive Geldpolitik bald beenden. Das aber könnte den Aufschwung bremsen.

Die Zentralbanken von Israel und Australien gelten gemeinhin nicht als globale Trendsetter in der Geldpolitik. Doch nun stehen sie im Fokus: Nachdem während der Wirtschaftskrise weltweit die Leitzinsen herunterkrachten und seit Monaten auf einem historisch niedrigen Niveau verharren, haben die israelischen und australischen Währungshüter den Trend umgedreht – und als erste Industriestaaten ihre Leitzinsen wieder erhöht. Damit reagieren sie auf die anziehende Konjunktur und die damit verbundenen Inflationsrisiken.

Zentralbanken vor einem Dilemma

Längst ist auch in Amerika und Europa die Debatte um "Exitstrategien" entbrannt. Wie lassen sich die Milliardensummen absaugen, die während der Krise unentwegt in die Finanzmärkte gepumpt worden sind? Und vor allem: Wann muss das geschehen? Noch machen die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) keine Anzeichen, ihren expansiven Kurs zu beenden. Auf ihrer Sitzung in der vergangenen Woche ließ die EZB den Leitzins unverändert bei 1,0 Prozent. Wann die EZB die Zinswende einläuten will, ließ Präsident Jean-Claude Trichet offen. Die Ökonomen von UBS etwa rechnen mit einer Zinserhöhung erst im dritten Quartal 2010. Das Dilemma der Zentralbank: Reagiert sie zu früh, könnten steigende Zinsen das zarte Pflänzlein namens Aufschwung ausbremsen. Handelt sie zu spät, drohen Inflation und neue Vermögensblasen.

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Fingerspitzengefühl und Rückgrat gefordert!

Noch keine Zinswende: Leitzinsen (in Prozent)

Noch keine Zinswende: Leitzinsen (in Prozent)

Dreh- und Angelpunkt der Analyse ist der "output gap", die Lücke zwischen Produktionspotenzial und tatsächlichem Output der Wirtschaft. Manche Ökonomen argumentieren, die Rezession habe diesmal besonders viele Kapazitäten vernichtet – Vollauslastung sei im Aufschwung somit schneller erreichbar als jene Auguren glauben, die das Inflationsrisiko mit Verweis auf ungenutzte Produktionskapazitäten kleinreden. Wenn dem so ist, besteht die Gefahr, dass auch die Notenbank die Produktionslücke überschätzt – so wie die Fed nach der Ölkrise 1973. Die Währungshüter sahen damals einen großen „output gap“, hielten an ihrer expansiven Geldpolitik fest und trieben die Inflationsrate auf fast 15 Prozent in die Höhe.

Die Zentralbanken brauchen jetzt zwei Dinge: ökonomisches Fingerspitzengefühl, um den richtigen Zeitpunkt für höhere Zinsen abzupassen. Und Rückgrat, um das anschließende Protestgeschrei der Politik zu ignorieren, die durch hohe Inflation ihre Staatsschulden entwerten will.

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