kolumneBoom & Bust: Wut der Bürger

Kolumne von Malte Fischer

Der Wahlerfolg der „Wahren Finnen“ zeigt: Nicht die Steuerzahler, die Banken brauchen einen Haircut.

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Für die selbst ernannten Euro-Retter in Berlin, Brüssel und Paris war es ein Schock, als am vergangenen Sonntag das Ergebnis der Parlamentswahlen in Finnland feststand. Mit knapp 19 Prozent Stimmanteil avancierte die Euro-skeptische Partei "Wahre Finnen" zur drittstärksten Kraft des Landes – und wird wahrscheinlich ein Koalitionspartner in der nächsten Regierung in Helsinki. Damit könnten die Populisten um Timo Soini das anstehende Hilfspaket für Portugal blockieren, das die Länder der Euro-Zone einstimmig beschließen müssen.

Die Wut der Bürger, die sich in dem Wahlergebnis artikuliert, haben sich Merkel, Sarkozy und Co. selbst zuzuschreiben. Mit milliardenschweren und von den Steuerzahlern verbürgten Rettungspaketen für die diversen Euro-Krisenländer haben sie die Steuerzahler auf die Schlachtbank geführt, um den Banken, Versicherungen und anderen institutionellen Anlegern die Verluste aus ihren finanziellen Risiko-Engagements zu ersparen.

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Nur Panikmache

Garantien für den Euro-Rettungsschirm Quelle: EFSF

Garantien (in Milliarden Euro) für den Euro-Rettungsschirm (European Financial Stability Facility)

Bild: EFSF

Die Hoffnung, Griechenland, Portugal und Irland könnten sich dank harter Reformprogramme bald wieder selbst am Kapitalmarkt finanzieren, trügt. Vor allem für Griechenland stehen die Chancen schlecht. Trotz rigider Sparpakete wächst der Schuldenberg der Hellenen munter weiter. Ohne einen Forderungsverzicht der Gläubiger ist eine Stabilisierung des Schuldenstands nicht in Sicht. Bisher haben es die Banken jedoch vermocht, mit Panikmache wie dem Hinweis auf den drohenden Ausbruch einer neuen Finanzkrise einen Schuldenschnitt zu verhindern. Dabei wäre dieser ohne Panikreaktionen an den Finanzmärkten möglich, wenn die Restforderungen der Banken durch Ersatzanleihen garantiert würden. Banken, die den Forderungsverzicht nicht verkraften, sollten abgewickelt werden.

Die Bereinigung im europäischen Bankensektor ist ohnehin überfällig. Droht eine systemische Bank zu kippen, kann der Staat sie auffangen, um Dominoeffekte zu verhindern. Das ist für den Steuerzahler billiger als der auf Dauer angelegte finanzielle Bypass nach Athen. Doch je länger die nötige Umschuldung hinausgezögert wird, desto größer ist die Gefahr, dass der Rettungsschirm die privaten Kredite der Banken durch öffentliche Kredite der Steuerzahler ersetzt. Der unvermeidbare Forderungsverzicht träfe dann die Steuerzahler statt die Banken. Die Regierungen sollten sich daher nicht wundern, wenn nach den "Wahren Finnen" bald auch "Wahre Deutsche" und "Wahre Holländer" bei Wahlen gute Ergebnisse holen.

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