Boom&Bust: Watschenmänner der Nation

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Kolumne

Erstmals seit 30 Jahren machen mehr Unternehmen dicht, als neu gegründet werden. Das liegt womöglich nicht nur an der Wirtschaftskrise, sondern auch am Zeitgeist. Denn Unternehmer-Bashing entwickelt sich zum Volkssport.

Hier kommt schon wieder eine Zahl, die man lieber nicht lesen möchte: 2008 machten sich in Deutschland 27.000 Menschen weniger selbstständig als im Vorjahr. Der Gründungssaldo, also die Differenz von neu entstandenen und geschlossenen Betrieben, war erstmals seit über 30 Jahren negativ. Und dies liegt womöglich nicht allein an der Rezession.

Unternehmertum und Selbstständigkeit sind hierzulande zunehmend mit einem Igitt-Faktor belegt. „Es gibt Leute, die halten Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse, andere meinen, der Unternehmer sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken kann. Nur ganz wenige sehen in ihm das Pferd, das den Karren zieht.“ Dieses Uralt-Zitat von Winston Churchill ist in diesen Tagen aktueller denn je.

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Unternehmer-Bashing entwickelt sich zum Volkssport. Eine Armada von Kulturpessimisten und Staatsgläubigen, die schon immer wussten, dass Kapitalismus von Übel ist, beherrscht die Debatte. Selbst manche Medienvertreter, die früher tapfer das Fähnlein der Marktwirtschaft hochhielten, rügen mittlerweile naserümpfend die „Wirtschaftslobby“, wenn sich Unternehmen oder ihre Verbände zu Wort melden.

Wen wundert’s, dass auch immer mehr Parteifunktionäre, die Nase wie stets im Wind, Ressentiments gegen gewinnorientierte Unternehmen schüren. Kernige Sprüche über Profitgier und moralischen Verfall in der Wirtschaft fehlen derzeit in kaum einer Rede. Dies dürfte sich im Wahlkampf weiter verstärken.

Die Maßstäbe dürfen in der Debatte nicht verloren gehen

Auch wenn sich das die Wirtschaft zu einem guten Teil selbst zuzuschreiben hat, muss Deutschland aufpassen, dass in der Debatte nicht die Maßstäbe verloren gehen. Sicher: Das groteske Missmanagement vieler Banken und die Chuzpe, mit der selbst größte Versager in den Führungsetagen ihre Boni einfordern, macht sprachlos.

Die Telekom-Spitzelaffäre und die Schnüffelattacken von Lidl und Bahn auf ihre Belegschaft sind an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Die Schockstarre, mit der hoch bezahlte Konzernchefs und Wirtschaftsverbände auf den dramatischen Imageverfall des Berufsstands Unternehmer reagieren, kann geradezu fassungslos machen.

Doch sollten wir uns ein paar einfache Wahrheiten vor Augen halten: Keine einzige technische Innovation der vergangenen 100 Jahre wurde von Ministerialdirektoren einer Behörde entwickelt. Wohlstand und Jobs entstehen durch dynamische Unternehmen mit qualifizierten Mitarbeitern. Durch einen starken Mittelstand, der Innovationen vorantreibt. Und durch Existenzgründer, die bereit sind, für eine Geschäftsidee hohe persönliche und finanzielle Risiken einzugehen. Das sollten wir, bei aller berechtigten Kritik an Fehlentwicklungen, nie vergessen.

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