Bruttoinlandsprodukt: Exporteinbruch sorgt für Rekordrezession

Bruttoinlandsprodukt: Exporteinbruch sorgt für Rekordrezession

von Mark Fehr

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sprechen eine deutliche Sprache: Nach ersten Berechnungen ist das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zurückliegenden Jahr gegenüber 2008 um fünf Prozent zurückgegangen. Die Wiesbadener Statistiker bezeichnen dies als stärkste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik.

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Container-Schiff am Hamburger Hafen. Viele Jobs hängen am Export

„Die deutsche Wirtschaft ist damit zum ersten Mal seit sechs Jahren geschrumpft, und zwar so stark wie noch nie in der Nachkriegszeit“, sagte der Präsident Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, auf der Pressekonferenz. Zum letzten Mal geschrumpft war das deutsche BIP im Jahr 2003 – damals allerdings nur um 0,2 Prozent. Dagegen ist der wirtschaftliche Einbruch in 2009 relativ gesehen um den Faktor 25 stärker. In 2008 wuchs die Deutsche Wirtschaft noch um 1,3 Prozent.

Grund der Rekordrezession des zurückliegenden Jahres ist die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise. Mitte 2007 war die Spekulationsblase am amerikanischen Markt für Privatimmobilien geplatzt. Der Schock hatte erst die internationalen Finanzmärkte, dann die weltweite Realwirtschaft in einen seit der Weltwirtschaftskrise Ende der Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts nie gesehenen Ausnahmezustand gestürzt.

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Der Rückgang der globalen Nachfrage erwischte Deutschland besonders heftig, denn die Bundesrepublik erzielt ihre Wirtschaftsleistung sonst zu einem bedeutenden Teil mit Exporten. Der weltweite Verkauf von im Inland hergestellten Industrieprodukten ist traditionell das wichtigste Standbein der deutschen Wirtschaft. Nach Angaben der Bundesstatistiker bremste der Export – einst Wachstumsmotor – die wirtschaftliche Entwicklung des vergangenen Jahres.

China neuer Exportweltmeister

Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts schrumpften die deutschen Exporte 2009 preisbereinigt um 14,7 Prozent. Die Ausfuhren in die wichtigsten Abnehmerländer Frankreich, Niederlande Großbritannien und die USA gingen von Januar bis Oktober 2009 um bis zu 27,5 Prozent zurück.

Im gleichen Zeitraum sorgte nur ein einziger bedeutender Auslandskunde deutscher Industrieunternehmen für Exportwachstum: Die Ausfuhren in die Volksrepublik China stiegen immerhin um 3,5 Prozent. Den prestigeträchtigen Titel des Exportweltmeisters müssen die Deutschen indes wohl an die Chinesen abgeben.

Auch die um ein Fünftel gesunkenen Ausrüstungsinvestitionen trugen zum Negativrekord in der deutschen Konjunkturgeschichte bei. Allein die steigenden Konsumausgaben gaben positive Wachstumsimpulse. Allerdings legten nur die Staatsausgaben mit einem Plus von 2,7 Prozent deutlich zu. Der private Konsum stieg dagegen preisbereinigt nur leicht um 0,4 Prozent. Die deutschen Verbraucher sind also nicht für die Außenwirtschaft in die Bresche gesprungen.

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