Bundesagentur für Arbeit: Der Mindestlohn ist ein Risiko für den deutschen Arbeitsmarkt

Bundesagentur für Arbeit: Der Mindestlohn ist ein Risiko für den deutschen Arbeitsmarkt

Bild vergrößern

Zwei Männer warten in der Bundesagentur für Arbeit in Hannover.

Auf dem Arbeitsmarkt läuft runder als viele zunächst glaubten. Für noch mehr Schub hat ein kräftiger Herbstaufschwung gesorgt. Das könnte sich im nächsten Jahr ändern - auch wegen des Mindestlohns.

Es war ein Tag, an dem bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) eigentlich hätten Sektkorken knallen müssen: Mit der am Donnerstag verkündeten Zahl von 2,717 Millionen Arbeitslosen hat die Nürnberger Bundesbehörde gleich mehrere Bestmarken übertroffen.

Dennoch stand BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise anscheinend nicht der Sinn nach Feiern. Gewohnt sachlich präsentierte er ein Zahlengerüst, das PR-Leute sicherlich als großen Coup verkauft hätten. So hatte Deutschland zuletzt zum Beispiel europaweit erstmals die niedrigste Arbeitslosenquote. Dass Weise auf allzu viel Trommelwirbel verzichtete, lag wohl nicht nur am gewohnt zurückhaltenden Umgang der Bundesagentur mit Rekorden.

Anzeige

Denn nach der offiziellen Lesart sind 2,7 Millionen Jobsucher - auch wenn der Wert einen Beinahe-Tiefstand markiert - noch immer 2,7 Millionen zu viel. Zudem lauern in der deutschen Wirtschaft allerorts Risiken. Sie lassen ach Ansicht von Bankenvolkswirten eine weiter positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt unsicher erscheinen.

Vor allem ein Risiko treibt Strategen in der BA-Hauptverwaltung derzeit um: die möglichen Auswirkungen der vom 1. Januar 2015 an geltenden Mindestlohnregelung. Die sieht einen generellen Mindestlohn von 8,50 Euro vor - wenn auch mit einigen Übergangsregelungen.

Arbeitgeber warnen seit Monaten vor diesem staatlichen Eingriff in die Tarifautonomie. Mehrere hunderttausend Jobs könnten in den kommenden Jahren wegfallen, befürchten einige Verbände. Verloren gehen könnten vor allem Jobs für An- und Ungelernte. Dass Mindestlöhne in vielen europäischen Ländern längst Standard sind, bleibt dabei in Verbandsmitteilungen oft unerwähnt.

Investitionslücke Die GroKo wehrt sich gegen Ökonomen-Kritik

Die Wirtschaftsweisen kritisieren: Die große Koalition gefährdet mit ihrer Wohlfühlpolitik die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Das wollten SPD und Union bei einer Diskussionsveranstaltung nicht auf sich sitzen lassen.

Wolfgang Schäuble Quelle: dpa

Zurückhaltender geben sich Arbeitsmarktforscher. Aber auch sie sprechen offen vom „Risikofaktor Mindestlohn“. Von „Horrormeldungen“, die von einem möglichen Verlust von bis zu einer Million Jobs als Folge des Mindestlohns sprechen, hält der Leiter des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller, aber nichts.

Er rechnet mit einem deutlich geringeren Jobverlust, will sich aber bis zum Vorliegen erster Untersuchungsergebnisse im Frühjahr 2015 nicht festlegen. Einige Experten erwarten Jobverluste, die allenfalls bei um die 100 000 liegen.

Wie stark Unternehmen vom Mindestlohn betroffen sind, hängt nach Möllers Ansicht stark vom Firmentyp, der Marktstellung und der bisherigen Rentabilität ab. „In Branchen, die kaum zu Preiserhöhungen in der Lage sind und auch bislang schon keine Extra-Gewinne machen, kann der Mindestlohn zu Jobverlusten führen“, schätzt er.

In vielen Branchen dürften die zusätzlichen Lohnkosten aber auf die eine oder andere Weise aufgefangen werden. So können sich die Forscher beim IAB nicht vorstellen, dass wegen des Mindestlohns Dienstleistungen von Wach- und Sicherheitsfirmen zurückgefahren werden.

In einigen Branchen rechnen die Arbeitsmarktforscher dennoch mit „interessanten Entwicklungen“ - etwa beim Taxigewerbe. In der Branche wurden Fahrer bisher am Umsatz beteiligt. Künftig müssen sie auf Stundenlohn-Basis bezahlt werden. In vielen Städten pochen daher Taxiunternehmen auf höhere Fahrpreise. In manchen Großstädten zeichnen sich nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa Preiserhöhungen von bis zu 25 Prozent ab.

In der Gastronomie rechnet Möller mit „Umschichtungen“: Wenn dort wegen des Mindestlohns die Preise stiegen, müsse sich das Servicepersonal womöglich auf ein geringeres Trinkgeld einstellen. Aber genau wisse man das erst im Laufe des kommenden Jahres.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%