Bundesbank-Bericht: Schuldenkrise bremst Wachstumsmotor aus

Bundesbank-Bericht: Schuldenkrise bremst Wachstumsmotor aus

, aktualisiert 21. November 2011, 15:56 Uhr
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Das Institut von Jens Weidmann rechnet mit einem geringeren Wachstum als die Regierung.

Quelle:Handelsblatt Online

Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr nur 0,5 bis 1 Prozent wachsen. Das geht aus dem monatlichen Bericht der Bundesbank hervor. Jetzt soll der Binnenmarkt das Wachstum am Leben halten.

BerlinDie Euro-Krise verdüstert die deutschen Konjunkturaussichten zusehends. „Die deutsche Wirtschaft dürfte in den kommenden Monaten in schwierigeres konjunkturelles Fahrwasser geraten“, warnte die Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Für 2012 hält die Zentralbank nur noch ein mageres Wachstum von 0,5 bis 1,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für realistisch. Damit ist die Zentralbank pessimistischer als die Bundesregierung, die ein Plus von einem Prozent veranschlagt.

Die Industrie sieht nun Politik und Finanzwirtschaft gefordert, sich in der Schuldenkrise rasch zu bewegen: „Beide springen zu kurz. Dieses Verhalten untergräbt das Zutrauen der Käufer von Staatsanleihen massiv“, warnte BDI-Chef Hans-Peter Keitel in einem offenen Brief an deutsche Industrieunternehmer. Dauerhafte und nachhaltige Lösungen seien leider nicht in Sicht, kritisierte Keitel. Während der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) aber zumindest keine Rezession heraufziehen sieht, ist das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln etwas vorsichtiger: „Die Rezessionsgefahr ist größer geworden“, so Institutschef Michael Hüther in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. In einer IW-Umfrage unter rund 2600 Firmen wird für 2012 eine deutlich nachlassende Dynamik erwartet. Die Firmen blicken weniger zuversichtlich auf das Exportgeschäft und geben sich auch zurückhaltender bei ihren Investitionen.

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Auch die Bundesbank sieht die Wirtschaft im Gegenwind: „Die empfindliche Abkühlung vor allem der Auslandsnachfrage vermischt sich mit der Nervosität an den Finanzmärkten.“ All diese Störfaktoren lassen die Zentralbank nunmehr weit skeptischer auf die Wirtschaft blicken. Noch im Juni war sie von einem Plus von 1,8 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt für 2012 ausgegangen. Ihre neue Prognose stellt sie zwar erst im Dezember vor. Doch dürfte nun klar sein, dass diese weitaus niedriger als im Sommer ausfallen wird.


Binnenmarkt soll Wachstum am Leben halten

Die Bundesbank geht allerdings davon aus, dass vor allem die binnenwirtschaftlichen Kräfte das Wachstum am Leben halten. Die Unternehmen hätten ihre Investitionsabsichten bisher kaum korrigiert, während die Kauflaune der Verbraucher noch gut sei. „Für den Arbeitsmarkt ist vor diesem Hintergrund keine wesentliche Veränderung zu erwarten“, hieß es. Allerdings gebe es große Risiken. „So ist eine ausgeprägte Schwächephase nicht auszuschließen, wenn sich die Staatsschuldenkrise in Europa spürbar verschärfen sollte.“ Die externen Störeinflüsse dürften die kommenden Monate prägen. „Damit steigt auch das Risiko, dass die Binnenkonjunktur an Festigkeit einbüßt“, befürchtet die Bundesbank.

Das Bundesfinanzministerium rechnet allerdings nicht mit einer langen Konjunkturflaute in Deutschland. Die Wirtschaft werde zum Jahresende aber wahrscheinlich „eine merklich ruhigere Gangart einlegen“, heißt es in dem Monatsbericht des Ministeriums. Sie dürfte „im Verlauf des kommenden Jahres jedoch wieder an Schwung gewinnen“. Das Konsumklima sei dagegen angesichts der sinkenden Arbeitslosigkeit „erfreulich robust“. Steigende Verbraucherausgaben hatten bereits im dritten Quartal das Bruttoinlandsprodukt um kräftige 0,5 Prozent steigen lassen. Im Frühjahr waren es nur 0,3 Prozent gewesen.

Nach Ansicht des scheidenden EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark wachsen die Sorgen, dass sich die Krise langfristig auf Wachstum und Beschäftigung auswirkt. Auf kurze Sicht dürfte das europäische Wachstum im vierten Quartal bereits deutlich gedämpft ausfallen, sagte das EZB-Führungsmitglied in Dublin. Schuld daran sei aber nicht nur die Lage in Europa, ergänzte er. Weltweit sei ein starker konjunktureller Gegenwind zu spüren. Allerdings gehe die EZB nur von einer vorübergehenden Schwächephase aus. Das Gerede über eine Rezession müsse vermieden werden. Die beiden Schwergewichte Deutschland und Frankreich hatten dem Euro-Währungsgebiet im Sommer noch zu einem schmalen Wachstum von 0,2 Prozent verholfen. Manche Experten befürchten aber, dass die Wirtschaftsleistung zum Jahresende und darüber hinaus schrumpfen wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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