Bundesbank: Weidmann warnt vor Urteil über EZB

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Bundesbank: Weidmann warnt vor Urteil über EZB

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Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnt davor, nach nur drei Handelstagen erste Urteile über die Folgen des milliardenschweren Anleihekaufprogramms zu fällen.

von Saskia Littmann

Seit Montag kaufen Europas Notenbanken Staatsanleihen, auch die Bundesbank ist am Markt aktiv. Präsident Jens Weidmann warnt vor kurzfristigen Urteilen über mögliche Erfolge des Programms.

Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) sind ein in Europa völlig neues geldpolitisches Instrument. Das muss auch die Bundesbank feststellen, die den deutschen Teil der Käufe schultert. Die eigentliche Verkündung der Jahreszahlen der Notenbank interessiert kaum jemanden. Fragen zu den Anleihekäufen gibt es dagegen haufenweise.

Gibt es überhaupt genug Anleihen zu kaufen? Wird solange gekauft, bis auch die Renditen zehnjähriger Bunds negativ sind? Wie ist die Stimmung bei den Händlern der Bundesbank? Hat Präsident Jens Weidmann am Montag gar selber den ersten Kauf getätigt?

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Viele Fragen, die die Bundesbanker nicht alle beantworten möchten. "Unser Handelsraum ist kein Showroom", Führungen und ein Live-Dabeisein bei den Käufen der Staatsanleihen seien daher leider nicht möglich. Überhaupt warnte Präsident Weidmann davor, nach nur drei Handelstagen erste Urteile über die Folgen des milliardenschweren Anleihekaufprogramms zu fällen. "Die Marktteilnehmer lernen noch", erklärt Weidmann am Donnerstag.

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

  • Immer mehr Notenbanken senken weltweit die Zinsen

    Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar.
    Quelle: Reuters; Stand März 2015

  • 1. Januar - Usbekistan

    Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten.

  • 15. Januar - Schweiz

    Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

  • 15. Januar - Ägypten

    Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.

  • 16. Januar - Peru

    Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.

  • 21. Januar - Kanada

    Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.

  • 22. Januar - EZB

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

  • 24. Januar - Pakistan

    Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.

  • 28. Januar - Singapur

    Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.

  • 28. Januar - Albanien

    Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.

  • 30. Januar - Russland

    Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

  • 3. Februar - Australien

    Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

  • 4. Februar/ 7. Januar - Rumänien

    Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.

  • 5. Februar/ 29. Januar/ 22. Januar/ 19. Januar - Dänemark

    Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

  • 12. Februar - Schweden

    Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

  • 17. Februar - Indonesien

    Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

  • 18. Februar - Botsuana

    Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.

  • 23. Februar - Israel

    Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

  • 24. Februar/ 20. Januar - Türkei

    Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

  • 28. Februar - 4. Februar - China

    Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.

  • 4. März/ 15. Januar - Indien

    Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.

Der Volkswirt warnte davor, Rückschlüsse aus einzelnen Ausschlägen an den Anleihemärkten zu ziehen und daran die Wirkung der quantitativen Lockerung (QE) abzulesen. Zudem seien die derzeitigen Marktreaktionen eine Konsequenz aus sämtlichen geldpolitischen Maßnahmen der vergangenen Monate. Vor QE hatte die EZB bereits beschlossen, verbriefte Kredite und Pfandbriefe zu kaufen, auch langfristige Tender für Europas Banken hat es gegeben. "Es ist schwierig, die Effekte der einzelnen Maßnahmen zu trennen", erklärt Weidmann.

Draghi spricht von ersten Erfolgen

Während Weidmann vor kurzfristigen Urteilen warnt, hatte EZB-Präsident Mario Draghi am Mittwoch betont, das Kaufprogramm zeige bereits erste Erfolge.

Für Zweifel sorgt unter anderem die immer größer werdende Zahl an Bundesanleihen, deren Renditen im negativen Bereich liegen. Selbst siebenjährige Bundesanleihen rentieren mittlerweile negativ, im Zuge der Anleihekäufe könnten auch die Renditen noch länger laufender Anleihen in den Minusbereich rutschen. Kaufen darf die Bundesbank Anleihen bis zu einer negativen Rendite von -0,2 Prozent.

Weidmann räumte in diesem Zusammenhang ein, dass aus dem Kaufprogramm durchaus Verluste resultieren können. Das betreffe aber nicht nur die Bundesbank, sondern auch andere beteiligte Notenbanken. Zudem stehe ja der Ertrag im positiven Verhältnis zum Risiko, so Weidmann. Das Ausfallrisiko der Anleihen sei im Fall der Bundesbank eben sehr gering.

EZB-Anleihekäufe Notenbanken kaufen auch Anleihen mit Negativrendite

Das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlässt Wirkung am Anleihemarkt, auch Bonds mit negativer Rendite werden offenbar gekauft. Dabei ist bisher nicht klar, wie die Verluste ausgeglichen werden.

EZB in Frankfurt Quelle: dpa

Bedeckt hielten sich die Bundesbanker auch was mögliche Käufer der Anleihen angeht. "Wir haben keine Hinweise darauf, dass die angestrebten Volumina nicht erreicht werden können", erklärte der für die Umsetzung der Käufe zuständige Bundesbankvorstand Joachim Nagel. Einen "Mangel an Verschuldung" gäbe es ja nun sicher nicht, ergänzte Weidmann.

EZB kaufte für 9,8 Milliarden Euro

Vor dem Start der Anleihekäufe waren Zweifel aufgekommen, ob es überhaupt genug willige Verkäufer für die Papiere geben würde. Insgesamt will die EZB monatlich Anleihen für 60 Milliarden Euro monatlich kaufen, die Anleihenkäufe der nationalen Notenbanken richten sich nach ihrem Kapitalanteil im Euro-System.

Insgesamt hat die EZB in den ersten drei Tagen des Programms Wertpapiere im Wert von 9,8 Milliarden Euro am Markt erworben, sagte EZB-Direktor Benoît Coeuré am Donnerstag auf einer Diskussionsveranstaltung in Paris. Die Laufzeit der seit Montag gekauften Papiere habe im Schnitt bei neun Jahren gelegen.

Für die Bundesbank beziffern Experten der Frankfurter Privatbank Metzler den Anteil am Kaufprogramm auf bisher etwa 600 Millionen Euro pro Tag. Die Metzler-Fachleute bezogen sich hierbei auf Informationen aus Marktkreisen. Die Aufkäufer der Bundesbank sollen dabei „auf keinerlei Probleme stoßen“, hieß es weiter.

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Laut Nagel gibt es in der Regel drei Gebote, bis der Anleihenhandel dann zustande kommt. Fraglich ist noch, wie lange die Bundesbank die Papiere in ihren Büchern haben wird. Bisher, so Weidmann, gehe man aber davon aus, die Anleihen jeweils bis zu ihrer Fälligkeit zu halten.

Einen kleinen Einblick in den Handelsraum gewährte die Bundesbank also doch - wenn auch ohne "Showroom".

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