Chefsache: Panik im Spielsalon

Chefsache: Panik im Spielsalon

Roland Tichy über die Gefahr einer Weltwirtschaftskrise.

Seit über einem Jahr warnt die WirtschaftsWoche vor den Folgen der Finanzkrise. Viele haben das Problem immer wieder verharmlost; so Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der dreimal Entspannung vorhersagte. Die Krise hat sich aber von Monat zu Monat verschlimmert. Droht jetzt sogar eine Weltwirtschaftskrise?

Ja, wenn notleidende Banken den Unternehmen schlagartig Kredite kürzen – dann reißen die Bankpleiten Unternehmen mit. Das war der Wirkungsmechanismus des Schwarzen Freitags von 1929. Und das ist der Grund, warum heute riesige Summen aus den Staatskassen und direkt aus den Notenpressen in das Finanzsystem gepumpt, warum Banken verstaatlicht werden. Zeit spielt eine entscheidende Rolle: Wir erleben einen Crash auf Raten. Scheibchenweise müssen Banken ihre Fehlspekulationen abschreiben, und das Ende ist noch nicht in Sicht. Das bedeutet aber auch, dass alle sich auf eine Verschärfung der Krise vorbereiten konnten. Diese Zeit fehlte damals am Schwarzen Freitag und wird heute teuer erkauft.

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Entlastung für die Wirtschaft gibt es aber auch von anderer Seite. Während die Öl- und Rohstoffpreise fallen, stabilisiert die Nachfrage nach Infrastrukturgütern aus Ländern wie Indien und China den Export. Und wegen der nachlassenden Inflation können die Zinsen wieder sinken.

Trotzdem wird es zu einer Wachstumsschwäche kommen, weil wir jetzt für die Schulden von gestern bezahlen. Über Jahre hinweg haben die Amerikaner für jeden verdienten Dollar einen Dollar und 30 Cent ausgegeben. Der gigantische Schuldenberg wurde über Hypotheken, Kreditkarten und Leasing finanziert. Diese Schuldenblase ist nun geplatzt.

Die Verantwortung tragen Banken für die unkontrollierte Kreditvergabe und den Weiterverkauf fauler Kreditpakete; damit haben sie ein Schneeballsystem ständiger Kreditausweitung aufgebaut. Die Investmentbanken haben die Risiken systematisch unterschätzt und den Kunden vorgegaukelt, sie könnten diese Risiken eliminieren. Ihre scheinbar stringenten Modelle versagen jedoch: Die überschuldete Volkswirtschaft der USA ist kein traditionelles Klumpenrisiko wie, sagen wir, der Häusermarkt in und um Dingolfing, der mit einer Verbriefung von Hypotheken abgefedert werden kann. Die Schulden der USA sind eine Art schwarzes Loch, das weltweit Kapital ansaugt und vernichtet.

Damit haben die Investmentbanken das Bankgeschäft in eine Art Spielhölle verwandelt. Wie naive Bauern den Lichtern von Las Vegas, so sind die Banker den Verlockungen des schnellen Profits erlegen. Als Erste wurden die IKB und die Sachsen LB abgezockt. Neuerdings stellen die Spielhöllenbetreiber mit Entsetzen fest, dass in ihren Tresoren noch zu viel von dem Schrott lagert, den sie eigentlich ihren Kunden andrehen wollten, denn auch das gilt: Nicht alle Banken haben versagt. Schwarze Bankbilanzen sind auch heute Qualitätssiegel für das Management.

Ein Umdenken hat stattgefunden. Plötzlich sind die Peanuts der Postbank-Kunden wieder wertvoll für die Deutsche Bank. Weil Banken Eigenkapital brauchen steigen die Zinsen fürs Tagesgeld auf fünf Prozent. Mittelständische Kunden sind zwar nicht für fantastische 20 Prozent Gewinn gut, aber auf Dauer solide. Familienunternehmen, wegen ihrer hohen Eigenkapitalquote lange als altväterlich verlacht, gelten wieder als erste Adresse. Die tollen Rezepte, Gewinne durch hochgradige Verschuldung zu „hebeln“, entfalten jetzt in den Bilanzen von Banken und Hedgefonds ihre mörderische Wirkung: Sie waren gut im Aufschwung und sind nun fatal im Abschwung. Wir erleben derzeit eine Rückbesinnung auf die Realwirtschaft. Jedenfalls bis zur nächsten Welle der Gier an Wall Street.

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