Club of Rome: Mit weniger Wachstum Probleme lösen

Club of Rome: Mit weniger Wachstum Probleme lösen

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Jorgen Randers' und Graeme Maxtons Buch "Ein Prozent ist genug: Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen" erscheint Ende September im Oekom Verlag.

von Ferdinand Knauß

Nur mit einem radikalen Umbau der Volkswirtschaften seien die sozialen und ökologischen Probleme der Welt zu lösen. Die Autoren des neuen Berichts an den Club of Rome sehen Wachstum nicht als Lösung sondern Ursache des Problems.

Von den „Grenzen des Wachstums“ ist im aktuellen Bericht des „Club of Rome“ keine Rede mehr. Während Dennis Meadows in dem berühmten Bericht vor 44 Jahren noch ein völliges Ende der wirtschaftlichen Expansionsmöglichkeiten voraussagte, geben sich die heutigen Autoren scheinbar konzilianter. Ein geringes Wachstum von rund einem Prozent pro Jahr sei ratsam. „Ein Prozent ist genug. Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen“ heißt der Bericht.

In ihrer Kritik an den Regierungen und Wirtschaftseliten in den Industrieländern sind Jorgen Randers, der schon zu den Autoren des ersten Berichts gehörte, und Club-Sekretär Graeme Maxton allerdings nicht weniger deutlich als in den Siebzigerjahren. „Wirtschaftswachstum ist nicht die Lösung, sondern die Ursache der Probleme“, sagte Maxton bei der Präsentation des Buchs.

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Die Strategien der konventionellen Ökonomen, durch Ankurbelung des Wachstums Arbeitsplätze zu schaffen und den Lebensstandard aller Menschen zu steigern, seien grundlegend falsch. Denn: „Trotz des steten Wirtschaftswachstums in den vergangenen 30 Jahren hat sich die Lebenssituation der Mehrheit der Menschen in den Industriestaaten nicht verbessert. Die Schere zwischen arm und reich ist weiter auseinander gegangen. Trotz Wohlstands haben Millionen Menschen keine Arbeit. Die Realeinkommen der meisten Arbeitnehmer sind gesunken.“

Was die Menschen vom Kapitalismus halten

  • Deutschland

    Kapitalismus funktioniert gut und würde durch Regulation nur geschwächt: 16 Prozent

    Kapitalismus hat Probleme, die mit mehr Regulation behoben werden könnten: 75 Prozent

    Kapitalismus ist am Ende, ein neues Wirtschaftssystem muss her: 8 Prozent

    Quelle: GlobeScan/Statista

  • Frankreich

    Kapitalismus funktioniert gut und würde durch Regulation nur geschwächt: 6 Prozent

    Kapitalismus hat Probleme, die mit mehr Regulation behoben werden könnten: 47 Prozent

    Kapitalismus ist am Ende, ein neues Wirtschaftssystem muss her: 43 Prozent

  • Italien

    Kapitalismus funktioniert gut und würde durch Regulation nur geschwächt: 5 Prozent

    Kapitalismus hat Probleme, die mit mehr Regulation behoben werden könnten: 59 Prozent

    Kapitalismus ist am Ende, ein neues Wirtschaftssystem muss her: 29 Prozent

  • Spanien

    Kapitalismus funktioniert gut und würde durch Regulation nur geschwächt: 5 Prozent

    Kapitalismus hat Probleme, die mit mehr Regulation behoben werden könnten: 56 Prozent

    Kapitalismus ist am Ende, ein neues Wirtschaftssystem muss her: 29 Prozent

  • Großbritannien

    Kapitalismus funktioniert gut und würde durch Regulation nur geschwächt: 13 Prozent

    Kapitalismus hat Probleme, die mit mehr Regulation behoben werden könnten: 57 Prozent

    Kapitalismus ist am Ende, ein neues Wirtschaftssystem muss her: 19 Prozent

  • USA

    Kapitalismus funktioniert gut und würde durch Regulation nur geschwächt: 25 Prozent

    Kapitalismus hat Probleme, die mit mehr Regulation behoben werden könnten: 53 Prozent

    Kapitalismus ist am Ende, ein neues Wirtschaftssystem muss her: 13 Prozent

  • China

    Kapitalismus funktioniert gut und würde durch Regulation nur geschwächt: 11 Prozent

    Kapitalismus hat Probleme, die mit mehr Regulation behoben werden könnten: 58 Prozent

    Kapitalismus ist am Ende, ein neues Wirtschaftssystem muss her: 18 Prozent

  • Russland

    Kapitalismus funktioniert gut und würde durch Regulation nur geschwächt: 12 Prozent

    Kapitalismus hat Probleme, die mit mehr Regulation behoben werden könnten: 44 Prozent

    Kapitalismus ist am Ende, ein neues Wirtschaftssystem muss her: 23 Prozent

In ihrem Buch stellen die Autoren radikale Forderungen auf, die nicht weniger zum Ziel haben als die gleichzeitige Lösung, Eindämmung und Minderung dreier Probleme: Soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel.

Die Autoren schlagen unter anderem eine schrittweise Anhebung der Erbschaftsteuer auf bis zu 100 Prozent, die Zahlung einer Prämie für Kinderlosigkeit und eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre vor. Zu den von Randers und Maxton favorisierten Maßnahmen gehört auch die Erhebung höherer Steuern auf ungesunde Produkte und fossile Brennstoffe. Sie fordern eine Verkürzung der Jahresarbeitszeit, eine Abkehr vom Ziel des Freihandels, vom „unendlichen Konsum“ und von der „marktradikalen Ideologie“.

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„Unsere Vorschläge dürften für die demokratische Mehrheit der Wähler sehr attraktiv sein, denn so gut wie alle Maßnahmen schaffen nicht nur langfristig eine bessere Welt, sondern auch kurzfristig unmittelbare Vorteile für die meisten Menschen“, sagen die Autoren.

Das Ohr der politischen Entscheidungsträger haben sie schon jetzt. Gerd Müller, Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, war Stargast bei der Präsentation des Berichts in Berlins.

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