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exklusiv Commerzbank-Chefvolkswirt: "Ära niedriger Lohnabschlüsse ist vorbei"

von Bert Losse

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, rechnet damit, dass die Gewerkschaften auch in den nächsten Jahren satte Lohnsteigerungen durchsetzen können und die Zeit moderater Tarifabschlüsse vorerst vorbei ist.

Ära moderater Lohnabschlüsse vorbei

Mit dem Pilotabschluss in Baden-Württemberg haben die Metaller die höchste Einkommensverbesserung seit rund 20 Jahren durchgeboxt. Arbeitgeber und IG Metall haben sich am Samstag in Sindelfingen auf einen Tarifvertrag geeinigt. Die Entgelte für die 800.000 Metaller werden rückwirkend zum 1. Mai um 4,3 Prozent erhöht. Der jüngste Tarifabschluss für die baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie soll bundesweit übernommen werden. Für die Volkswirte der Commerzbank steht nach dem Metall-Tarifabschluss fest: „Die Entgelte in der deutschen Wirtschaft werden dieses Jahr deutlich stärker zulegen als 2011.“ Die Ära moderater Lohnabschlüsse sei nun erstmal vorbei, meint Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Bild: dpa

„Wir erleben derzeit einen fundamentalen Wechsel in der deutschen Lohnpolitik. Die Ära sehr niedriger Lohnabschlüsse ist vorbei“, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, der WirtschaftsWoche. „Die Tarifentgelte in Deutschland dürften im Durchschnitt der kommenden zehn Jahre deutlich stärker steigen als bisher.“

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Negative Folgen für die Unternehmen durch die steigenden Arbeitskosten sieht der Ökonom vorerst nicht. „Die Löhne bei uns dürften merklich zulegen, ohne dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick nennenswert zu schaden.“ Das liege daran, dass „die Geldpolitik die Lohnpolitik derzeit überlagert.“ Der EZB-Leitzins sei mit 1,0 Prozent für Deutschland geldpolitisch „viel zu niedrig“, ermögliche aber den Unternehmen, die hohen Lohnabschlüsse zu tragen. „Die niedrigen Zinsen befeuern die Nachfrage und machen höhere Löhne für die Unternehmen finanzierbar“, so Krämer.

Der Ökonom mahnt die Tarifparteien trotzdem zu Zurückhaltung. Durch steigende Löhne „verteuert sich Arbeit relativ zu Kapital. Wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen, kann es ein böses Erwachen geben.“

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