Contra Talfahrt der Zinsen: Negativzins ist gegen die Logik des Handelns

KommentarContra Talfahrt der Zinsen: Negativzins ist gegen die Logik des Handelns

Den Zins kennt man als Entgelt für die Nutzung von Kapital. Ökonomisch betrachtet resultiert er aus einer Wertdifferenz. Menschen werten Güter, die sie haben können, höher als Güter, die erst künftig verfügbar sind.

Anders gesprochen: Künftige Güter erleiden einen Preisabschlag gegenüber gegenwärtigen Gütern. Es ist die – wie Frank A. Fetter (1863–1949) sie bezeichnete – „Zeitpräferenz“, die den Zins erklärt.

Ludwig von Mises (1881–1973) zeigte auf, dass der Zins – er spricht vom „Urzins“ oder „neutralen Zins“ – elementar für das menschliche Handeln ist und sich allein aus der Zeitpräferenz erklärt. Damit ging er über die Zinstheorie, die Eugen von Böhm-Bawerk (1850–1914) vorgelegt hatte, hinaus.

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Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt der Degussa, Honorarprofessor an der Uni Bayreuth und leitet er Ludwig von Mises-Institut Deutschland. Daneben ist er volkswirtschaftlicher Berater und Mitgründer des P&R REAL VALUE Fonds. In seiner auf wiwo.de erscheinenden Kolumne "Intelligent investieren" widmet er sich alle 14 Tage (immer mittwochs) den grundlegenden Irrtümern und Erkenntnissen der Geldanlage.

Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt der Degussa, Honorarprofessor an der Uni Bayreuth und leitet er Ludwig von Mises-Institut Deutschland. Daneben ist er volkswirtschaftlicher Berater und Mitgründer des P&R REAL VALUE Fonds. In seiner auf wiwo.de erscheinenden Kolumne "Intelligent investieren" widmet er sich alle 14 Tage (immer mittwochs) den grundlegenden Irrtümern und Erkenntnissen der Geldanlage.

Der Urzins hat mit der Ertragsrate auf Kapital und mit Psychologie nichts zu tun. Selbst bei einer negativen Kapitalertragsrate werden gegenwärtig vorhandene Güter höher geschätzt als künftig verfügbare Güter. Der Urzins, den der Mensch quasi in sich trägt, bleibt auch hier positiv. Der Zins kann nicht auf null fallen. Es würde bedeuten, dass man zwei Äpfel, die man erst in 1000 Jahren essen kann, einem heute verfügbaren Apfel vorzieht. Das klingt nicht nur realitätsfremd, es ist ein irrtümlicher Gedanke. Er liefe auf die Aussage hinaus, dass der Mensch niemals konsumiert, dass er sein Einkommen vollständig spart.

Der Zins kann auch nicht negativ werden. Denn das hieße, dass man einen Apfel, den man erst in 1000 Jahren verspeisen kann, einem heute zum Konsum bereitstehenden Apfel vorzieht. Nullzins und Negativzins laufen der Logik des menschlichen Handelns zuwider. In einem freien Markt richtet sich der Marktzins am Urzins aus.

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Im heutigen ungedeckten Papiergeldwesen sorgen jedoch die Zentralbanken mit ihrem Geldmonopol dafür, dass der Marktzins künstlich herabgedrückt wird, dass er unter den Urzins fällt. Das führt zu gefährlichen Boom-Bust-Zyklen und zerstört den Anreiz zum Sparen. Knappe Ressourcen wandern in den Konsum, es kommt zu Kapitalverzehr. Ein negativer Marktzins ist ein Frontalangriff auf die Marktwirtschaft. Er zerstört die arbeitsteilige Wirtschaftsordnung. Die Idee, den Zins abzuschaffen, hatten schon die Marxisten und Nationalsozialisten. Damit wollten sie das kapitalistische System zerstören.

Ein negativer Marktzins würde das „antikapitalistische“ Zerstörungswerk perfektionieren.

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