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David Ricardo: Freier Handel

David Ricardo: Der Freihändler

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Freier Handel

Kapitalismus abschaffen-Shirt Quelle: dpa
Ricardo lag es fern, den Kapitalismus zu kritisieren oder gar dessen Abschaffung zu fordern. Im Gegenteil. Er sah in ihm die beste Wirtschaftsform, um den Wohlstand der Menschen insgesamt zu mehren, auch wenn einige Klassen mehr profitierten als andere. Quelle: dpa

Die Pacht kann so lange steigen, bis die Kosten für die Bewirtschaftung der fruchtbaren Böden ebenso hoch sind wie die Bewirtschaftungskosten der weniger fruchtbaren Böden. Je mehr ungünstige Böden kultiviert werden müssen und je höher dadurch die Nahrungsmittelpreise steigen, desto höher fällt die Pacht für fruchtbare Böden (Differentialrente) aus, die die Grundbesitzer verlangen. Sie sind die Gewinner der wachsenden Wirtschaft.

Hingegen stagnieren die Realeinkommen der Arbeiter, da ihre Löhne nur in dem Maße steigen wie die Nahrungsmittelpreise. Die großen Verlierer sind die Kapitalbesitzer, also die Unternehmer. Deren Gewinne werden von steigenden Lohnkosten aufgefressen. „Je größer der Anteil des Arbeitsergebnisses, der an die Arbeiter gegeben wird, desto kleiner ist die Profitrate, und umgekehrt“, konstatiert Ricardo. Sinkt die Profitrate, die der Brite als das Verhältnis der Gewinnspanne zu den Produktionskosten definiert, so schwindet der Anreiz, in neues Kapital zu investieren – und das Wachstum der Wirtschaft lässt nach.

Grafik: Mehr Wohlstand durch Handel
Grafik: Mehr Wohlstand durch Handel

Ricardos Verteilungstheorie, die durch den Interessengegensatz zwischen Grundeigentümern, Arbeitern und Kapitaleignern geprägt ist, rüttelt an den Harmonievorstellungen der klassischen Ökonomie, die davon ausging, dass alle Klassen der Gesellschaft vom steigenden Reichtum profitieren. Karl Marx, der sich in seinem eigenen Werk intensiv mit den Lehren Ricardos auseinandersetzte, sah in dessen Erkenntnissen denn auch eine „Angriffswaffe wider die bürgerliche Wirtschaft“.

Allerdings lag es Ricardo fern, den Kapitalismus zu kritisieren oder gar dessen Abschaffung zu fordern. Im Gegenteil. Er sah in ihm – ganz in der klassischen Tradition – die beste Wirtschaftsform, um den Wohlstand der Menschen insgesamt zu mehren, auch wenn einige Klassen mehr profitierten als andere. Die verteilungspolitischen Überlegungen Ricardos könnten in den nächsten Jahren wieder an Aktualität gewinnen, da die Böden zum Anbau von Nahrungsmitteln für eine wachsende Weltbevölkerung immer knapper werden.

Wie groß die Vorteile sind, die das freie Spiel der Marktkräfte entfaltet, zeigte Ricardo in seiner Untersuchung des Außenhandels. Seine Theorie des komparativen Vorteils hat Eingang in alle Lehrbücher der Handelstheorie gefunden. Das Grundprinzip ist allerdings nicht so leicht verständlich. Der Nobelpreisträger Paul Samuelson bezeichnete es als ein Theorem, das selbst intelligenten Menschen nicht immer auf Anhieb einleuchtet.

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 04.12.2011, 10:33 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Der größte ökonomische Fehler des Jahrtausends lag darin, einen Steuersenkungswettlauf einzuleiten. Die Laffer-Kurve hatte anfangs ja vielleicht noch ihre Berechtigung, weil z.B. der Spitzensteuersatz bis 1970 in den USA bei über 70% lag. Den hat natürlich niemand gezahlt, sondern fleißig Steuerschlupflöcher gesucht. Dass bei einer stetigen Senkung der Spitzensteuersätze und gleichzeitiger Ausgabensteigerung der Haushalt ruiniert werden müsste, hätte selbst Schauspielerlegende Reagan sehen müssen.
    Ergo: Die Staaten müssen wieder eine höhere Steuerquote bei GEwinnsteuern erreichen und Arbeitgeber wieder mehr an den Kosten der sozialen Sicherung beteiligen.

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