Denkfabrik: 2015 wird für die Euro-Zone zum Schlüsseljahr

kolumneDenkfabrik: 2015 wird für die Euro-Zone zum Schlüsseljahr

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In Griechenland ist die Krise zurück; Ministerpräsident Antonis Samaras (Bildmitte) muss um die Wiederwahl zittern.

Kolumne von Hans-Werner Sinn

Ungewisser Wahlausgang in Griechenland, niedrige Wachstumserwartungen in ganz Europa, und das mögliche, fragwürdige Eingreifen der EZB auf den Märkten: Die kommenden Monate werden turbulent.

Eigentlich könnte man für die deutsche Wirtschaft 2015 verhalten optimistisch sein. Nach einem temporären Durchhänger im zweiten Quartal 2014, der vor allem durch die Ereignisse in der Ukraine verursacht war, fasste die Wirtschaft wegen der fallenden Ölpreise und der Abwertung des Euro zuletzt wieder Tritt. Der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts ist zweimal hintereinander gestiegen, die Exporterwartungen der Unternehmen verbesserten sich sogar zum dritten Mal.

Risiko Griechenland

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Dass Deutschland geradezu die Insel der Seligen in Europa ist, zeigte sich wieder am vergangenen Montag. In Griechenland fiel bei der Wahl eines neuen Staatspräsidenten der Kandidat von Ministerpräsident Antonis Samaras auch im dritten Wahlgang durch. Jetzt kommt es zu Neuwahlen, die das Land destabilisieren könnten. Wenn der in den Meinungsumfragen führende Alexis Tsipras mit seiner Partei Syriza gewinnt und wie angekündigt die Zusammenarbeit mit der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF aufkündigt, stellt sich erneut die Frage nach dem Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone.

Tsipras könnte zudem erneut versuchen, innenpolitisch mit Reparationsforderungen gegenüber Deutschland zu punkten. Obendrein wird in Europa die fehlende Wettbewerbsfähigkeit Südeuropas und Frankreichs, die sich in einer Massenarbeitslosigkeit entlädt, in den nächsten Jahren noch zu mehr politischen Überraschungen führen.

Ebenso prekär wie in Griechenland ist die Lage in Russland. Die Devisenreserven des Landes reichen gerade noch, um den Schuldendienst für zwei Jahre zu leisten. Von Exportüberschüssen kann wegen des sinkenden Ölpreises nicht mehr die Rede sein.

Hoher Leidensdruck

Um nicht neue Schulden aufbauen zu müssen, ist Russland nun zu einer dramatischen Verringerung der Importe gezwungen. Das setzt die russische Bevölkerung einem hohen Leidensdruck aus. Es droht eine gefährliche Destabilisierung der russischen Gesellschaft. Auch ein völliger Kollaps der Wirtschaft ist mittlerweile nicht mehr auszuschließen. Ein solcher Kollaps hätte nicht nur negative Folgen für die Banken Frankreichs und Österreichs, er würde auch die deutsche Industrie empfindlich treffen. Wissen wir also, was wir tun, wenn wir weiter an der Sanktionsschraube drehen?

So sehr Russland unter dem fallenden Ölpreis leidet, so sehr profitieren die Verbraucher in Westeuropa davon. Der dadurch entstehende Realeinkommensgewinn ist das beste Konjunkturprogramm, das man sich vorstellen kann. Weshalb die Europäische Zentralbank glaubt, die daraufhin sinkende Inflationsrate sei ein Problem, das man im Rahmen eines „Quantitative Easing“ mit Käufen von Staatsanleihen zu lösen versuchen müsse, bleibt ihr unerklärliches Geheimnis.

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