Denkfabrik: Bauboom rettet die deutsche Konjunktur

kolumneDenkfabrik: Bauboom rettet die deutsche Konjunktur

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Die Bauwirtschaft in Deutschland gewinnt momentan enorm an Fahrt, da immer mehr Großinvestoren ihr Geld aufgrund der Euro-Krise in Deutschland parken.

Kolumne von Hans-Werner Sinn

Die Euro-Krise treibt immer mehr Kapital in den sicheren Hafen Deutschland und feuert unsere Bauwirtschaft an. Der Boom ist gut für Konjunktur und Arbeitsplätze – und könnte noch einige Zeit anhalten. Denn eine wirkliche Preisblase am deutschen Immobilienmarkt ist derzeit nicht in Sicht.

Es ist nun bald zwei Jahre her, dass ich aufgrund der Euro-Krise einen Bauboom in Deutschland vorhergesagt habe. Diese Prognose hat sich nun bewahrheitet. Weil sich die Investoren frustriert von Kapitalanlagen in der Peripherie des Euro-Raums abwenden und auch nicht mehr nach Amerika gehen wollen, wo sie genug Geld verloren haben, bleiben sie im sicheren Heimathafen. Das ruft einen Investitionsboom im Allgemeinen und einen Bauboom im Besonderen hervor.

Der Bausektor gewinnt derzeit dramatisch an Fahrt. Nachdem die realen Bauinvestitionen von 1994 bis 2009 nahezu kontinuierlich gefallen waren (um insgesamt ein Viertel), stiegen sie 2010 um 2,2 Prozent und 2011 sogar um 5,8 Prozent. Die Baugenehmigungen für Eigentumswohnungen lagen 2011 um 42,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Auftragseingänge im Hochbau legten um 9,3 Prozent zu. Nur der Tiefbau blieb zurück, weil der Staat kein Geld hatte: Insgesamt stiegen die Orders im Bau aber noch um 4,4 Prozent.

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Die Architekten können sich freuen. Während ihre Auftragsbestände im Jahr 2007 nur 4,8 Monate betragen hatten, lagen sie 2010 bei 5,7 Monaten und 2011 gar bei 5,9 Monaten. Das ist der höchste Wert seit 1994.

Großinvestoren bringen ihr Vermögen in Sicherheit

Italienische und griechische Investoren parken derzeit ihr Fluchtgeld in Deutschland

Auch die Preise steigen. Nach Aussagen von Maklern gab es im vergangenen Jahr bei Eigentumswohnungen Zuwachsraten von etwa sieben Prozent und bei Reihenhäusern von gut 4 Prozent. Besonders begehrt sind landwirtschaftliche Grundstücke. Deren Preise kletterten 2009 um 9,6 Prozent und 2010 um 8,7 Prozent. Dahinter standen Großinvestoren, die ihr Geld sicher anlegen und vor den Wirren der Euro-Krise schützen wollten.

Die Käufer kamen vor allem – aber nicht nur – aus Deutschland. Makler berichten von italienischen und griechischen Investoren, die Fluchtgeld in Deutschland parken. Sie verkaufen ihre heimischen Staatspapiere gegen frisch gedrucktes Geld, das die Banken aus dem Kassenautomaten der Notenbank ziehen, und bringen ihr Vermögen in Deutschland in Sicherheit. Schon vorher, etwa seit 2006, hatten sich angelsächsische Investoren vom Preisgipfel in ihren Heimatländern abgeseilt, um dem Absturz zu entgehen.

Niedrige Kreditzinsen

Der Boom wird nicht nur von Investoren getragen, sondern auch von normalen Häuslebauern, die sich über die niedrigsten Kreditzinsen seit Menschengedenken freuen. Die Umlenkung des Anlagekapitals geschieht nämlich in den meisten Fällen dadurch, dass Banken und Versicherungen sich nicht mehr aus Deutschland hinaustrauen, sondern nun wieder den langweiligen, aber sicheren Immobilienkunden umwerben. „Bitte bewahre doch mein Geld zehn Jahre bei dir auf. Ich will auch keine Zinsen. Hauptsache, ich kriege es wieder!“ – das ist die in ihrem Kern zutreffende Karikatur des Bankers, der vor dem Häuslebauer kniet, um ihn mit seinem Baukredit zu beglücken. Und der Häuslebauer lässt sich nicht lange bitten.

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