Denkfabrik: Deutsche Konjunktur auf Schlingerkurs

Denkfabrik: Deutsche Konjunktur auf Schlingerkurs

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Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn

Die deutsche Konjunktur gerät immer stärker ins Schlingern. Doch die alten Krisenzeiten kommen nicht zurück – auch dank der Agenda 2010, sagt ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Deutschland hat in den Jahren 2006 und 2007 einen Boom erlebt, in dem manche Zeitungen bereits ein neues „Wirtschaftswunder“ sahen. Im Mittel dieser beiden Jahre wuchs die deutsche Wirtschaft um 2,7 Prozent, was etwa so viel war wie der Durchschnitt der alten EU-Länder, der bei 2,8 Prozent lag. Jetzt aber häufen sich die Hiobsbotschaften, und aus Amerika ziehen immer mehr dunkle Wolken heran.

Die Immobilienpreise sind in den USA noch immer im Sturzflug, die Bankenkrise findet abermals neue Opfer, und die Arbeitslosigkeit steigt so schnell wie seit sieben Jahren nicht mehr. Der Boom der Weltwirtschaft, der nun vier Jahre lang anhielt, ist zu Ende. Erstaunlich ist nur, dass der Börsencrash in Amerika noch nicht stattgefunden hat, denn alles zeigt ansonsten nach unten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Standard & Poor’s- Werte lag zuletzt mit 24,23 immer noch weit über dem langfristigen Mittelwert von 16,31, den man seit 1881 beobachtet hat.

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Auch Deutschland spürt zuehmend die Flaute. Der ifo-Geschäftsklima-Index ist mit Unterbrechungen seit Herbst vergangenen Jahres gefallen. Er befindet sich eindeutig in dem Bereich, der auf einen Abschwung der Wirtschaft hindeutet. Die tatsächliche Lage ist zwar noch recht gut, doch die Erwartungen sind so schlecht wie zuletzt im Winter 2002/03, also mitten in der letzten Flaute.

Gesunkene Exporterwartungen der Industrie

Darüber hinaus sind die Exporterwartungen der Industrie auf Talfahrt. Die jüngste internationale Konjunkturumfrage des ifo Instituts zeigt einen drastischen Rückgang des Wirtschaftsklimas im Euro-Raum. Die Erwartungen sind auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1989 gesunken. Die Auftragseingänge in der Industrie, der wichtigste in die Zukunft weisende Indikator der amtlichen Statistik, sind in den ersten beiden Quartalen 2008 so stark wie noch nie seit Anfang 1993 abgesackt. Alles in allem kann deshalb kaum noch ein Zweifel bestehen, dass der Wirtschaftsaufschwung, der im Sommer des Jahres 2005 begann, nun, drei Jahre später, wieder zu Ende geht.

Als besonders alarmierend erscheint, dass die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal – hochgerechnet auf das ganze Jahr – um 2,0 Prozent geschrumpft ist. Das ist zwar zum großen Teil eine technische Reaktion auf den starken Anstieg im ersten Quartal in Höhe von 5,2 Prozent, der man, für sich genommen, keine übermäßige Bedeutung zumessen sollte. Aber dennoch wird das ifo Institut deswegen seine Wachstumsprognose nach unten revidieren müssen – von 2,4 Prozent vermutlich auf etwa 2 Prozent. Dagegen dürfte die Prognose für 2009, die ohnehin nur bei 1,0 Prozent lag, im Lichte dieser Zahlen vorläufig bestehen bleiben.

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