Denkfabrik: Deutschland muss Opferrolle in Europa abstreifen

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Denkfabrik: Deutschland muss Opferrolle in Europa abstreifen

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Marcel Fratzscher widerspricht in diesem Beitrag ifo-Chef Hans-Werner Sinn, der davon ausgeht, dass Rettungskredite die Exportüberschüsse antreiben.

Die hohen Überschüsse in der deutschen Leistungsbilanz sind keineswegs die Folge der milliardenschweren Rettungsaktionen für EU-Krisenstaaten und der damit verbundenen Kapitalabflüsse. Viel entscheidender ist die hausgemachte Investitionsschwäche im Inland. Eine Replik auf Hans-Werner Sinn.

Ist Deutschland ein Opfer der europäischen Krisenpolitik und der Rettungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB)? ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hat in einem Beitrag für die WirtschaftsWoche die These vertreten, unsere Exportüberschüsse seien „das Spiegel- bild der milliardenschweren Rettungsmaßnahmen für die Krisenländer, zu denen Deutschland gedrängt wurde“. Deutschland tilge „die Schulden Südeuropas mit seinen Autos“. Diese Behauptungen stellen die Fakten auf den Kopf; die Realität ist eine andere.

Die deutschen Überschüsse sind nicht das Resultat von erzwungenen Kapitalflüssen nach Südeuropa während der Krise. Auch sind sie nicht ursächlich für die schwachen Investitionen in Deutschland seit Ende der Neunzigerjahre. Wie auch Hans-Werner Sinn betont, bewerteten deutsche Unternehmen, Banken und andere Finanzdienstleister damals die Investitionsbedingungen in Deutschland als nicht gut genug. Dabei überschätzten sie jedoch die Bedingungen im Ausland und machten weltweit massive Verluste von mehr als 400 Milliarden Euro. Deutsche Investoren sind demnach Opfer ihrer eigenen Entscheidungen und Fehleinschätzungen geworden, für die sie nun die Verantwortung tragen müssen.

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Export Rettungskredite treiben die Exportüberschüsse

Die Kritik an den deutschen Exportüberschüssen wächst, aber sie ist nicht gerechtfertigt. Diese Überschüsse sind das Spiegelbild der milliardenschweren Rettungsmaßnahmen für Krisenländer.

Quelle: imago / IPON

Es ist irreführend, die Leistungsbilanz kausal zu interpretieren, also bestimmte Positionen in einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zu stellen. Sinn schreibt richtigerweise, dass ein Land nur per saldo Forderungen gegenüber dem Ausland haben kann, wenn es auch in entsprechendem Umfang Waren geliefert hat. Aber das ist nur eine buchhalterische Identität und lässt keinen Schluss darüber zu, welche Gründe dies verursacht haben!

So haben die Rettungsmaßnahmen für Krisenländer nicht zum deutschen Leistungsbilanzüberschuss geführt. Die erhöhte Liquiditätsvergabe der EZB an Banken in den Krisenländern spiegelt sich in den sogenannten Targetforderungen der Bundesbank wider. Sie könnten dort jedoch genauso gut auftauchen, wenn Deutschland per saldo mehr importieren als exportieren würde. Die Liquidität wurde von Krisenländern eben nicht dafür genutzt, deutsche Autos zu kaufen, sondern in erster Linie, um die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte aufrechterhalten zu können – und damit einen wirtschaftlichen Kollaps zu verhindern.

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