
Diese Reaktion hat viele Beobachter überrascht: Als die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) jüngst ankündigte, ihre sogenannte „Operation Twist“ durch den Kauf weiterer langfristiger US-Staatspapiere in Höhe von 267 Milliarden Dollar für sechs Monate zu verlängern, interessierte dies die Märkte kaum. Obwohl das Gesamtvolumen solcher Käufe in diesem Jahr stolze 667 Milliarden US-Dollar erreichen dürfte, blieben größere Ausschläge bei Zinssätzen oder Aktienkursen aus.
Die zurückhaltende Reaktion des Marktes ist ein Indikator dafür, dass fortwährende geldpolitische Lockerung kein nützliches Instrument mehr ist, um die Wirtschaft anzukurbeln – so wie es die Fed erklärtermaßen versucht. Die Zentralbank will die kurzfristigen Zinsen in den USA bis Ende 2014 nahe null belassen sowie über die massive „quantitative Lockerung“ die Zinsen am langen Ende beeinflussen.
Bild: dpaFederal Reserve
Fed-Chef Ben Bernanke begann im November 2008 mit der Quantitativen Lockerung. Sein erstes Kaufprogramm von Anleihen beeindruckte die Märkte. Es hatte ein Volumen von 1,7 Billionen Dollar. Im November 2010 folgte dann ein zweites Programm, das mit 600 Milliarden Dollar deutlich kleiner ausfiel. Die Bilanz der Fed ist durch die bisherigen Ankäufe von 800 Milliarden Dollar auf 2,8 Billionen Dollar gewachsen. Kritik kam lediglich von rechts außen. Viele Ökonomen fordern nun bereits ein drittes Anleihekaufprogramm.
Bild: REUTERSBank of England
230 Milliarden Euro gab Mervyn King, Chef der Bank of England, bisher für den Kauf von Wertpapieren aus. Die Notenbank holte sich sowohl Staats- und Unternehmensanleihen als auch Geldmarktpapiere ins Portfolio. Kritik gab es kaum, obwohl die Inflation im Vereinigten Königreich bei 5,0 Prozent liegt. Die Notenbank hatte wegen der sich eintrübenden Wachstumsaussichten einen Zinssenkungszyklus gestartet, diesen wegen des zunehmenden Preisdrucks aber unterbrochen. Der Leitzins steht gegenwärtig bei 0,5 Prozent.
Bild: REUTERSBank of Japan
Vor zehn Jahren hat Nippons Notenbank die Quantitative Lockerung erfunden. Unter dem Eindruck einer tiefen Krise versuchte sie als erste Notenbank bei einem Zinssatz nahe null durch Anleihekäufe die Wirtschaft zusätzlich zu stimulieren. Inzwischen hat sie weitere Programme nachgelegt. Derzeit flutet sie regulär jährlich die japanische Volkswirtschaft mit 194 Milliarden Euro durch den Kauf von Staatsanleihen. Zusätzlich hat sie ein weiteres Programm zuletzt von 450 auf 495 Milliarden Euro erhöht. Inflationsrisiken gibt es in Japan keine.
Bild: dpaSchweizer Notenbank
Auf 1,20 Franken zum Euro wollen die Eidgenossen seit September dieses Jahres den Wechselkurs ihrer Währung stabilisieren und kündigten an, dies mit aller Konsequenz durchzusetzen. Sie sind dafür bereit, uneingeschränkt Devisen zu kaufen. Ohne die Stützungskäufe würde der Franken aufwerten und die Wirtschaft in die Rezession treiben. Grundsätzlich ist die Feuerkraft einer Notenbank unbegrenzt. Dennoch bezweifeln Ökonomen, ob es der Schweiz bei einer weiteren Eskalation der Euro-Krise gelingt, den Wechselkurs wirksam zu verteidigen.
Federal Reserve
Fed-Chef Ben Bernanke begann im November 2008 mit der Quantitativen Lockerung. Sein erstes Kaufprogramm von Anleihen beeindruckte die Märkte. Es hatte ein Volumen von 1,7 Billionen Dollar. Im November 2010 folgte dann ein zweites Programm, das mit 600 Milliarden Dollar deutlich kleiner ausfiel. Die Bilanz der Fed ist durch die bisherigen Ankäufe von 800 Milliarden Dollar auf 2,8 Billionen Dollar gewachsen. Kritik kam lediglich von rechts außen. Viele Ökonomen fordern nun bereits ein drittes Anleihekaufprogramm.
Kurzfristiger Erfolg
Mit diesen Maßnahmen ist es den Währungshütern in der Tat gelungen, die langfristigen Zinssätze zu senken. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen beträgt derzeit 1,6 Prozent – Anfang 2011 waren es noch 3,4 Prozent. Es ist zwar schwierig festzustellen, inwieweit dieser Rückgang die höhere Nachfrage nach US-Staatspapieren durch risikoscheue globale Investoren reflektiert, doch zum Teil ist er zweifellos den Maßnahmen der US-Notenbank zuzuschreiben. Die niedrigeren langfristigen Zinsen haben sicherlich auch zum Zuwachs des Standard & Poor’s 500-Kursindex in Höhe von vier Prozent im gleichen Zeitraum beigetragen.
Die Fed dürfte allerdings nicht in der Lage sein, die langfristigen Zinsen noch weiter zu drücken. Diese befinden sich derzeit auf so niedrigem Niveau, dass viele Investoren zu Recht eine Blase bei Anleihen und Aktien befürchten. Wenn ausländische Investoren ihr Vermögensportfolio umschichten und sich aus langfristigen Anleihen zurückziehen, könnte eine erhebliche marktgetriebene Erhöhung der langfristigen Zinsen die Folge sein. Die US-Notenbank wäre dagegen machtlos.
Hinzu kommt, dass die Maßnahmen der Fed vor allem den Anleiheinhabern und Aktionären geholfen haben, aber unklar ist, ob sie die reale Wirtschaftstätigkeit beleben konnten. Fakt ist: Die US-Konjunktur lahmt weiterhin, das Wirtschaftswachstum ist gering, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Obwohl die Wirtschaft seit drei Jahren expandiert, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur ein Prozent höher als zu Beginn der Rezession vor fünf Jahren. Das US-BIP legte 2011 nur um 1,7 Prozent zu und ist auch heute nicht bedeutend höher. Aktuelle Daten zeigen sinkende Realeinkommen der privaten Haushalte, sinkende Beschäftigungszuwächse und schwächere Umsätze im Einzelhandel.
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