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Denkfabrik: Die Ohnmacht der US-Notenbank

von Martin S. Feldstein

Die ultraexpansive Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve hat die langfristigen Zinsen gesenkt. Der amerikanischen Konjunktur nutzt das aber wenig. Viele US-Konzerne schwimmen in Liquidität, sie brauchen keine Kredite. Und viele Kleinunternehmen kriegen von ihrer Hausbank keine mehr.

Fed Quelle: REUTERS
Die Fed dürfte nicht in der Lage sein, die langfristigen Zinsen noch weiter zu drücken Quelle: REUTERS

Diese Reaktion hat viele Beobachter überrascht: Als die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) jüngst ankündigte, ihre sogenannte „Operation Twist“ durch den Kauf weiterer langfristiger US-Staatspapiere in Höhe von 267 Milliarden Dollar für sechs Monate zu verlängern, interessierte dies die Märkte kaum. Obwohl das Gesamtvolumen solcher Käufe in diesem Jahr stolze 667 Milliarden US-Dollar erreichen dürfte, blieben größere Ausschläge bei Zinssätzen oder Aktienkursen aus.

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Die zurückhaltende Reaktion des Marktes ist ein Indikator dafür, dass fortwährende geldpolitische Lockerung kein nützliches Instrument mehr ist, um die Wirtschaft anzukurbeln – so wie es die Fed erklärtermaßen versucht. Die Zentralbank will die kurzfristigen Zinsen in den USA bis Ende 2014 nahe null belassen sowie über die massive „quantitative Lockerung“ die Zinsen am langen Ende beeinflussen.

Federal Reserve
Fed-Chef Ben Bernanke begann im November 2008 mit der Quantitativen Lockerung. Sein erstes Kaufprogramm von Anleihen beeindruckte die Märkte. Es hatte ein Volumen von 1,7 Billionen Dollar. Im November 2010 folgte dann ein zweites Programm, das mit 600 Milliarden Dollar deutlich kleiner ausfiel. Die Bilanz der Fed ist durch die bisherigen Ankäufe von 800 Milliarden Dollar auf 2,8 Billionen Dollar gewachsen. Kritik kam lediglich von rechts außen. Viele Ökonomen fordern nun bereits ein drittes Anleihekaufprogramm.

Bild: dpa

Kurzfristiger Erfolg

Mit diesen Maßnahmen ist es den Währungshütern in der Tat gelungen, die langfristigen Zinssätze zu senken. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen beträgt derzeit 1,6 Prozent – Anfang 2011 waren es noch 3,4 Prozent. Es ist zwar schwierig festzustellen, inwieweit dieser Rückgang die höhere Nachfrage nach US-Staatspapieren durch risikoscheue globale Investoren reflektiert, doch zum Teil ist er zweifellos den Maßnahmen der US-Notenbank zuzuschreiben. Die niedrigeren langfristigen Zinsen haben sicherlich auch zum Zuwachs des Standard & Poor’s 500-Kursindex in Höhe von vier Prozent im gleichen Zeitraum beigetragen.

Die Fed dürfte allerdings nicht in der Lage sein, die langfristigen Zinsen noch weiter zu drücken. Diese befinden sich derzeit auf so niedrigem Niveau, dass viele Investoren zu Recht eine Blase bei Anleihen und Aktien befürchten. Wenn ausländische Investoren ihr Vermögensportfolio umschichten und sich aus langfristigen Anleihen zurückziehen, könnte eine erhebliche marktgetriebene Erhöhung der langfristigen Zinsen die Folge sein. Die US-Notenbank wäre dagegen machtlos.

Hinzu kommt, dass die Maßnahmen der Fed vor allem den Anleiheinhabern und Aktionären geholfen haben, aber unklar ist, ob sie die reale Wirtschaftstätigkeit beleben konnten. Fakt ist: Die US-Konjunktur lahmt weiterhin, das Wirtschaftswachstum ist gering, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Obwohl die Wirtschaft seit drei Jahren expandiert, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur ein Prozent höher als zu Beginn der Rezession vor fünf Jahren. Das US-BIP legte 2011 nur um 1,7 Prozent zu und ist auch heute nicht bedeutend höher. Aktuelle Daten zeigen sinkende Realeinkommen der privaten Haushalte, sinkende Beschäftigungszuwächse und schwächere Umsätze im Einzelhandel.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.07.2012, 17:21 Uhrr-tiroch@t-online.de

    da weltweites Machtgehabe von Banken und politikern grassiert, will keiner was von einer Währungsreform wissen. stattdessen wird weiter gelogen und mit unzähligen Billionen die es nicht gibt, der korrupte Kapitalmarkt weiter gefüttert. erst wenn alle ihre Schäfchen im trockenen haben lässt man es krachen und keiner ist Schuld, ihr Arschlöcher.

  • 09.07.2012, 15:43 Uhrallesverloren

    "Jetzt ist die Regierung am Zug". Ja was soll sie denn machen ???

    Das US-amerikanische Defizit 2011 liegt bei ca. 10% des BIP, Tendenz steigend.

    Der US-Staatshaushalt lag in 2011 bei ca. 3,8 Billionen USD, davon 1,5 Billionen USD Neuverschuldung, das sind ca. 40% des Haushalts.

    Da gibt es nichts mehr zum Ziehen, die USA stehen kurz vor der Währungsreform. Nur ein Euro-Crash kann die USA noch retten, da dann die Märkte durch Europa abgelenkt sein werden.

    Ein Verzicht auf die Steuererhöhungen reisst noch größere Löcher in das Budget.

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