Denkfabrik: Die Probleme der US-Banken

Denkfabrik: Die Probleme der US-Banken

Die Probleme der USA gleichen in vieler Hinsicht der japanischen Krise in den Achtzigerjahren. Über 700 US-Geldhäuser sind noch insolvenzgefährdet, sagt Volkswirt Stefan Schilbe.

Von Mark Twain ist der Ausspruch überliefert: „Die Geschichte wiederholt sich nicht. Aber sie reimt sich.“ Die Probleme Japans in den Achtzigerjahren stellen mit Abstrichen durchaus eine Blaupause für die Perspektiven der USA dar. Zur Erinnerung: Ende der Achtzigerjahre platzte eine Blase am japanischen Aktienmarkt. Um die realwirtschaftlichen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, reagierte die japanische Zentralbank mit starken Zinssenkungen, diese legten den Nährboden für eine Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt. Spulen wir nun 15 Jahre vor: Nach dem Platzen der Nasdaq-Blase in den USA floss die unter Notenbankchef Alan Greenspan bereitgestellte Liquidität in den US-Wohnungsmarkt. Die Größenordnungen der Immobilien-Bubbles ähneln sich – in den fünf Jahren bis zum Höhepunkt legten die Hauspreise jeweils um rund 120 Prozent zu. Was blieb, waren in beiden Fällen massive Probleme im Bankensystem und ein gigantischer Schuldenberg. Während in Japan aber vorwiegend Unternehmen unter die Räder kamen, sind in den USA private Haushalte die Leidtragenden.

Beide leiden unter einer Bilanzrezession. Die Aktivseite (Vermögenswerte) brach weg, während die Passivseite (hohe Schulden) konstant blieb. Japanische Unternehmen reagierten mit einem rigiden Sparkurs auf die um drei Viertel gefallenen Gewerbeimmobilienpreise, um die Bilanzen zu sanieren. Das Volumen der Unternehmenskredite fiel bis 2005, obwohl die Bank of Japan schon Mitte der Neunzigerjahre die Leitzinsen auf 0,5 Prozent senkte und ab 2001 aggressive quantitative Maßnahmen ergriff. Der Kreditrückgang war nicht nur angebots-, sondern auch nachfragebedingt.

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Einkünfte der Haushalte fallen

Die US-Konsumenten, deren Ausgaben rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, stehen nun vor ähnlichen Herausforderungen. Sie haben ihre Schulden zwischen 2000 und 2009 von 69 auf 95 Prozent des BIPs explodieren lassen. Dabei gingen sie von drei Annahmen aus, die allesamt nicht mehr zutreffen: von einem unlimitierten Kreditzugang, stetigen nominalen Einkommenszuwächsen und steigenden Vermögenswerten. Die auf ein 26-Jahres-Hoch gestiegene Arbeitslosenquote hat die Finanzsituation der Haushalte maßgeblich verschlechtert. Erstmals seit 50 Jahren sind die Nominaleinkünfte der privaten Haushalte (nach Bereinigung um staatliche Transferzahlungen) gefallen. Außerdem schrumpften die Nettovermögen in der Spitze um 17,4 Billionen Dollar (120 Prozent des BIPs). Im Zuge des aktuellen Börsenaufschwungs konnte bislang nur knapp ein Drittel zurückerobert werden.

Die Reaktion der Haushalte entspricht der der japanischen Unternehmen: Sie sparen. Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg fielen die Konsumentenkredite im Jahresvergleich so kräftig wie aktuell, und das trotz einer extrem expansiven Geldpolitik der US-Notenbank. Dieser Prozess wird – unter Schwankungen – über Jahre anhalten und die Sparquote im Trend nach oben treiben.

Mehr als 700 Banken insolvenzgefährdet

Erschwerend kommt hinzu, dass kleine Banken in den USA bei der Vergabe von Krediten kaum noch Spielraum haben, weil in ihren Büchern noch Probleme bei Konsumenten-, Wohn- und vor allem Gewerbeimmobilienkrediten schlummern. Nach einer Studie des Congressional Panel Oversight werden in den nächsten vier Jahren 1,4 Billionen Dollar an Gewerbeimmobilienhypotheken fällig. Knapp die Hälfte davon ist wertmäßig schon „unter Wasser“, nachdem die Preise landesweit um über 40 Prozent eingebrochen sind. Da die Banken in einem Verwertungsfall auf einem Teil der Verluste sitzen bleiben, müssen derartige Kredite in eine höhere Risikoklasse gestuft und damit mit mehr (bereits knappem) Eigenkapital zur Besicherung unterlegt werden. Um eine Pleitenwelle von kleinen Banken zu verhindern, hat der US-Einlagensicherungsfonds FDIC im November 2009 die Neuklassifizierung der Kredite temporär ausgesetzt, solange Zins- und Tilgungsleistungen pünktlich erfolgen. Dennoch sind – obwohl seit Anfang 2009 bereits 180 Banken in Konkurs gegangen sind – aktuell über 700 Banken insolvenzgefährdet.

Die bisherigen Maßnahmen könnten zwar vorerst verhindern, dass Zwangsversteigerungen bei Gewerbeimmobilien eine weitere Abwärtsspirale auslösen. Viele Banken dürften sich mit neuen Krediten dennoch bedeckt halten, bis sich die Preise für Gewerbeimmobilien deutlich erholen und für bilanzielle Entlastung sorgen. Im Japan der Neunzigerjahre wurde für derart angeschlagene Institute der Begriff „Zombie-Banken“ geprägt.

Optimisten winken bei einem Vergleich zwischen den USA und Japan vor allem wegen der demografischen Unterschiede ab. Die Schwäche Japans allein mit einer schrumpfenden Bevölkerungszahl zu erklären, greift aber zu kurz. Schließlich wies Japan zu Beginn der Krise ein Bevölkerungswachstum von 0,4 Prozent pro Jahr auf. Zwei wesentliche Unterschiede bestehen aber tatsächlich: Japan konnte als Exportnation – anders als die relativ geschlossene Volkswirtschaft der USA – von einem robusten Welthandel profitieren. Gleichzeitig waren die Haushalte in der Lage, in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit den Konsum relativ stabil zu halten, indem sie die zweistellige Sparquote auf nunmehr knapp drei Prozent senkten. Dieses Mittel steht den Amerikanern nicht zur Verfügung. Daher dürften die Zeiten hoher Trendwachstumsraten in den USA passé sein. Auch für ungeübte Ohren ist der Reim nicht zu überhören.

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