Denkfabrik: Druck des heißen Geldes

kolumneDenkfabrik: Druck des heißen Geldes

Bild vergrößern

Yuan Lebensmittelpreise

Kolumne

Ähnlich wie Deutschland in der Spätphase des festen Wechselkurssystems von Bretton Woods leidet China heute unter importierter Inflation. Das Land muss seine feste Bindung an den Dollar daher bald aufgeben.

Kaum ein anderes Thema belastet das Verhältnis zwischen China und den USA so wie der Wechselkurs des chinesischen Yuan. Nicht Angebot und Nachfrage, sondern die chinesische Regierung bestimmt den Yuan-Kurs. Sie legt ihn so fest, dass er gegenüber dem Dollar unterbewertet ist. Das verbilligt die in China hergestellten Güter aus Sicht amerikanischer Kunden und kurbelt so die Exporte an. Um den Yuan-Kurs niedrig zu halten und den Dollar zu stärken, kauft die chinesische Notenbank Dollar und legt sie in den USA an. China finanziert so das Leistungsbilanzdefizit der Amerikaner. Für dieses Wechselkurssystem hat sich der Name "Bretton Woods II" herausgebildet. Denn es ähnelt dem Wechselkurssystem, das die Staatengemeinschaft 1944 in Bretton Woods, einem verschlafenen Nest in New Hampshire, gegründet hatte. Und "Bretton Woods II" wird aus den gleichen Gründen scheitern wie das ursprüngliche Bretton-Woods-System im Jahr 1973.

Lockere Geldpolitik

Die Vereinbarung von 1944 band die meisten Währungen fest an den US-Dollar, die Wechselkurse wurden nur selten neu festgelegt. Die D-Mark galt in dem System als unterbewertet. Das verbilligte die deutschen Exporte für ausländische Kunden und erleichterte den Wiederaufbau der Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Gegenzug finanzierten Deutschland und andere Länder – so wie heute China – das Leistungsbilanzdefizit der Amerikaner.

Anzeige

Um den Ausbau des Sozialstaates und den Vietnam-Krieg zu finanzieren, betrieben die Amerikaner nach 1967 eine lockere Geldpolitik, in deren Gefolge der Dollar gegenüber der D-Mark eigentlich hätte abwerten müssen. Aber die Bundesbank war im Festkurssystem von Bretton Woods gezwungen, die Dollar-Schwäche zu bekämpfen.

Statt die Zinsen zu erhöhen, um die Preise stabil zu halten, musste sie die lockere Geldpolitik der US-Notenbank kopieren. Für Deutschland waren die Zinsen viel zu niedrig, sie fachten die Konjunktur an. Die Zahl der Arbeitslosen sank auf nur 150 000, Arbeitskräfte wurden knapp, es kam zu wilden Streiks. Von 1969 bis 1973 legten die Pro-Kopf-Löhne fast immer zweistellig zu. Der hohe Kostendruck kurbelte die Inflation an. Sie stieg von unter zwei Prozent im Jahr 1968 bis zum Ausbruch der Ölkrise im Herbst 1973 auf sieben Prozent. Letztlich scheiterte das Bretton-Woods-System 1973 am Import der laxen US-Geldpolitik und der dadurch ausgelösten Inflation.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%