Denkfabrik: Fluch des Papiergelds

Denkfabrik: Fluch des Papiergelds

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Gebündelte Zehn-Euro-Banknoten: Die Geschichte des Papiergeldes sei eine zweifelhafte, sagt Thorsten Polleit

Das Monopol der staatlichen Notenbanken sollte durch den freien Wettbewerb der Währungen ersetzt werden, fordert Thorsten Polleit. Das stabilste Geld setzt sich dann durch.

Die globalen Kapitalmärkte taumeln von Krise zu Krise, so scheint es. Nach dem Zusammenbruch des New-Economy-Booms zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es nun die internationale Kreditmarktkrise, ausgelöst durch Zahlungsausfälle im amerikanischen Markt für Hypothekendarlehen geringer Qualität (Subprime), die Zweifel am Funktionieren der angeblich entfesselten globalen Finanzmärkte schürt. Folgt man gängigen Diagnosen der Krisenursachen – Verantwortungslosigkeit der Kreditnehmer und überzogene Risikospekulation der Kreditgeber –, könnte man nur zu leicht schlussfolgern, das Geschäft mit dem Geld bedarf stärkerer Kontrolle, um künftige Krisen abzuwenden.

Doch eine solche Beurteilung mag voreilig sein. Denn Finanzmarktkrisen scheinen nicht etwa Resultat eines kapitalistischen Währungssystems, sondern vielmehr die eines planwirtschaftlich verfassten weltweiten Papiergeldsystems zu sein. Ob US-Dollar, Euro, Yen, britisches Pfund oder Schweizer Franken: Sie alle repräsentieren nämlich nicht-einlösbares Papiergeld, das von staatlichen Notenbanken kontrolliert wird.

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Über Jahrhunderte und Kulturen hinweg sahen die Menschen Gold, zuweilen auch Silber, als das beste Geld an. Erst mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 ging die Phase des freiwillig gewählten Goldstandards, in der es zu einem bisher nicht gekannten Aufblühen des Welthandels gekommen war, jäh zu Ende. Man ging vom Golde ab, nicht etwa weil es nicht funktioniert hätte, sondern weil wertbeständiges Geld der Finanzierung der Kriegsführung, für die Enteignung in größtem Stil notwendig war, im Wege stand.

Mit der Ausbreitung sozialistischer Ideologien in der Nachkriegszeit war eine Rückkehr zu einem Goldgeld politisch unerwünscht. So mussten auch alle Versuche, den Goldstandard wiederzubeleben, scheitern. Das System von Bretton Woods, das das internationale Währungssystem für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Ordnung bringen sollte, war nur ein halbherziger Versuch, den Goldstandard wiederzubeleben. Mit dem Ende der Eintauschpflicht des US-Dollar in Gold am 15. August 1971 wurden die letzten Überbleibsel des Goldstandards beseitigt, und die Epoche des Papiergeldes brach an. Das Papiergeld brachte unerträglich hohe Inflation zu Beginn der Siebziger- und Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Die inakzeptabel hohen Kosten der Geldentwertung zwangen zum Umdenken: Den Regierungen wurde der Zugriff auf die Notenpresse entzogen.

Doch die Reformen konnten den zentralen Konstruktionsfehler des staatlichen Papiergeldes nicht beheben: Die Zentralbanken stehen einer unüberwindbaren Wissenshürde gegenüber. Sie wissen nicht, wie viel Geld und Kredit eine Volkswirtschaft braucht, und wie hoch der richtige Zins sein muss. Das unablässige Ausweiten der Geldmengen führt zu Verschuldung, Inflationsschüben, Konjunkturzyklen, Rezessionen und stellt damit letztlich eine Bedrohung für die freie Gesellschaftsordnung dar. Die steigenden Verschuldungslasten machen die Volkswirtschaften zusehends störungsanfällig. Schon kleine Produktions- und Beschäftigungsverluste können die Kreditpyramide ins Wanken bringen. Und daher provoziert die Furcht vor der harten Landung regelmäßig öffentliche Rufe, die Zentralbanken müssten die Zinsen senken, um Arbeitsplatzverluste zu verhindern.

Warnungen vor dem Papiergeld gab es zuhauf. So schrieb der einflussreiche amerikanische Ökonom Irving Fisher (1867–1947) bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dass sich für fast jede Gesellschaft die Entscheidung für Papiergeld als Fluch erwiesen hätte. Dabei ist eine Rückkehr zum freien Marktgeld leicht möglich; sie ist nicht mehr als eine gesellschaftliche Willensentscheidung. Der erste Schritt bestünde etwa darin, die nationale Geldmenge mit einem festen Umtauschverhältnis an das Gold zu binden, das noch in den Kellern der nationalen Zentralbanken lagert, und gleichzeitig den Geldhaltern das Recht einzuräumen, ihre Bankguthaben jederzeit in Gold umtauschen zu können. In einem zweiten Schritt könnte das Geldsystem privatisiert und in ein System des „Free Banking“ entlassen werden. Wie in früheren Epochen auch würde der Wettbewerb vermutlich dafür sorgen, dass das gute Geld eines ist, das durch Gold oder Silber gedeckt ist.

Das Geld würde wieder das werden, was es immer war, bevor die Regierungen die Hoheit über die Notenpresse eroberten: eine Institution des freien Marktes, bestimmt durch Angebot und Nachfrage auf den Märkten. Gegenüber dem Status quo verspricht das freie Marktgeld viele Vorteile. Konjunkturverläufe würden weniger schwankungsanfällig, weil freies Marktgeld Fehlinvestitionen und damit Wirtschaftskrisen entgegenwirkt. Der Spielraum für wachstumsschädliche Marktinterventionen, die regelmäßig aus Wirtschafts- und Finanzkrisen erwachsen, würde zurückgedrängt. Damit würde auch die Bedrohung der Freiheit, die latente Gefahr monetärer Planwirtschaft, entschärft.

Ökonomisch und ethisch lässt sich das Papiergeldsystem kaum überzeugend rechtfertigen. Seine zweifelhafte Erfolgsgeschichte fordert geradezu auf, nach besseren Lösungen zu suchen, um Wohlstand zu erhalten. Freies Marktgeld ist unabdingbarer Baustein gesellschaftlicher Freiheit. In diesem Sinne schrieb Ludwig von Mises (1881–1973), einer der wohl bedeutendsten liberalen Denker des 20. Jahrhunderts: „Die Goldwährung macht die Gestaltung der Kaufkraft von dem Einfluss der Politik und der schwankenden wirtschaftspolitischen Anschauungen wechselnder politischer Majoritäten unabhängig. Das ist ihr Vorzug.“

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