Denkfabrik: Gefährliche Entwicklungsbank

Denkfabrik: Gefährliche Entwicklungsbank

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Zwei Arbeiter sind auf einer Baustelle

Weltweit bemängeln Politiker und Ökonomen einen Mangel an Investitionen und moderner Infrastruktur. Jetzt macht sich China die Diskussion zunutze und treibt den Aufbau supranationaler Finanzierungsbanken voran. Doch Pekings Vorhaben birgt erhebliche Risiken für die Kreditnehmer.

Rund um den Globus haben Politiker und Ökonomen ein neues Thema für sich entdeckt: die Infrastrukturlücke. In vielen Ländern, so lautet die Kernthese, mangelt es an gut ausgebauten Transportwegen, Telekommunikations- und Energienetzen. Die fehlenden Investitionen bremsen demnach das Wachstum und den Wohlstand – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Studien der Weltbank diagnostizieren allein für die Schwellenländer eine Lücke von mehr als einer Billion US-Dollar, also rund sieben Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ein zehnprozentiger Anstieg der Infrastrukturinvestitionen, so rechnen die Ökonomen vor, könnte dort ein Prozent mehr Wachstum bringen. Was ist von diesen Studien zu halten?

Rolf J. Langhammer Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Rolf J. Langhammer ist Wissenschaftler am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Bis August 2012 war der Handels- und Globalisierungsexperte Vizepräsident des IfWs.

Bild: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Zunächst einmal weisen alle Untersuchungen auf die sehr begrenzte Aussagefähigkeit von Lückenschätzungen hin, die sich auf vergangene Zusammenhänge zwischen Sachkapitalbildung und Wachstum stützen. Es ist keineswegs sicher, dass diese Zusammenhänge unter veränderten technologischen Bedingungen in die Zukunft extrapoliert werden können. Kritisch ist auch, dass Infrastrukturinvestitionen in vielen Ländern über den Produktivitätseffekt für die eigene Wirtschaft hinaus als Quasi-Allheilmittel für eine lahmende Weltwirtschaft gesehen werden. Sie gelten als antizyklisch wirkendes Konjunkturprogramm in Rezessionszeiten, als Motor für Kapitalgüterexporte aus Industriestaaten, als Rezept zur Beschäftigung ungelernter Arbeitnehmer und sogar als Barriere gegen weitere Umweltbelastungen.

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Man kann private Investitionen nicht erzwingen

Doch wenn die Wirkungen so durchgängig positiv sind, warum wurden dann Infrastrukturinvestitionen in der Vergangenheit vernachlässigt, wie die Lückentheorie suggeriert?

Fakt ist: Die lange Reifezeit und die unsicheren Renditen schrecken private Finanziers häufig ab. Ob öffentliche Ausgaben für die Infrastruktur die erhofften privaten Investitionen nach sich ziehen, ist ungewiss.

Erzwingen kann man private Investitionen nicht. Die Gefahr, dass Straßen am Ende ins Niemandsland führen, ist real (siehe Ostdeutschland). Auch werden die Unterhaltskosten oft unterschätzt. Hinzu kommt: Der Bausektor als wesentlicher Nutznießer ist zumeist gegen ausländische Konkurrenz geschützt. Das verteuert die Investitionen. Und: Grenzüberschreitende Infrastrukturinvestitionen sind häufig im wesentlichen Interesse nur eines Landes und rufen daher Verteilungskonflikte über Finanzierung und Nutzen hervor. Public-Private-Partnership-Modelle stecken bei Infrastrukturinvestitionen angesichts dieser Probleme noch in den Kinderschuhen.

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